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FREUDE

WERK

2002-2006

Lyrik, Dichtung, Poesie, Poetik, Poem, Poetry

 

FREUDE
Das dichterische Werk 2002 - 2006. Freude beim Lesen
Autor: Freude, Manfred H.
ISBN: 978-3-86858-188-1
Einband: Gebundene Ausgabe
Format: 17 x 24 cm
Gewicht: 714 Gramm
Seiten: 476
Preis: 29,90 EUR

Gedichte Edition. Manfred H. Freude, geboren in Aachen, lebt und arbeitet in Aachen. Erste Gedichte 1968. Er debütierte 2005 mit seinem Gedichtband: Alles Gedichte – Keine Genichte. Weitere Gedichte und Essays in verschiedenen Anthologien, Zeitschriften; Prosa und Lyrik im Rundfunk und in weiteren sechs Gedichtbänden. 2007 wurde eines seiner Dramen mit dem Titel: Im Spiegel der Ideale aufgeführt; mehr

 

 

www.shaker-media.nl

 


Vorderseite


Rückseite

Manfred H. Freude

FREUDE

Das dichterische Werk 2002 - 2006. Freude beim Lesen

ISBN 978-3-86858-188-1, 476 Seiten, 29,90 EUR

Hier finden Sie eine Leseprobe!

     

Belletristik

 

Manfred H. Freude

 

FREUDE
Das dichterische Werk 2002 - 2006. Freude beim Lesen

Gedichte Edition. Manfred H. Freude, geboren in Aachen, lebt und arbeitet in Aachen. Erste Gedichte 1968. Er debütierte 2005 mit seinem Gedichtband: Alles Gedichte – Keine Genichte. Weitere Gedichte und Essays in verschiedenen Anthologien, Zeitschriften; Prosa und Lyrik im Rundfunk und in weiteren sechs Gedichtbänden. 2007 wurde eines seiner Dramen mit dem Titel: Im Spiegel der Ideale aufgeführt; 2008 sein Vorspiel zum Theaterstück: Faust-Arbeitswelten. Sein letzter Gedichtband heißt: Vom Hörensagen und Draufsätzen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen. Er studiert an der RWTH Aachen Literatur, Kunst und Philosophie.

Neu ISBN 978-3-86858-188-1, 476 Seiten, 29,90 EUR, Deutsch,
Neu Gebundene Ausgabe, 17 x 24 cm, 714 Gramm

 

 

Für dieses Buch ist ein Online-Dokument verfügbar: Preis: 3,00 EUR

 

 

„FREUDE - Das dichterische Werk 2002 - 2006. Freude beim Lesen“ von Manfred H. Freude

Erschienen 2009 - Shaker Media, Aachen
476 Seiten (Gebundene Ausgabe) - Bestellung siehe Info!

Preis: EUR 29,90

 

 

ISBN: 978-3-86858-188-1

Das dichterische Werk 2002 - 2006 - Freude beim Lesen
Gedichte Edition.

Manfred H. Freude, geboren in Aachen, lebt und arbeitet in Aachen. Erste Gedichte 1968. Er debütierte 2005 mit seinem Gedichtband: Alles Gedichte – Keine Genichte. Weitere Gedichte und Essays in verschiedenen Anthologien, Zeitschriften; Prosa und Lyrik im Rundfunk und in weiteren sechs Gedichtbänden. 2007 wurde eines seiner Dramen mit dem Titel: Im Spiegel der Ideale aufgeführt; 2008 sein Vorspiel zum Theaterstück: Faust-Arbeitswelten. Sein letzter Gedichtband heißt: Vom Hörensagen und Draufsätzen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen. Er studiert an der RWTH Aachen Literatur, Kunst und Philosophie.

Einige Gedichte als Auswahl:

ENDE der Harmonien

Bild der Stille
Schreibt dunkel
Den Ton
Auf fallende Herbstblätter
Die schreien in Trommelfelle
Bevor sie das Moos ergreifen.

Und der Wald erzittert.
Ohne Grund fliehen Tiere wild,
Gestört in Städte,
In vergitterte Räume der Menagerien
In Museen der Angst.

Ohne Tänzer und ohne Strom
Erbleichen Bilder unter Sonnenlicht.
Beenden die erloschenen Projektoren
Die Vorführung.


Schwarze Augen

Schwarz und abgrundtief
Entdeckt von rätselhaften Lichtern
Siehst du die Rast ohne Heimat unvergleichlich.

See der leer vom dunklen Harz genommen
Noch tiefer du je in dich gestaunt
Ersehnend atmest du die tiefe Gunst.

Erblickt wird nicht das Herzweh
Noch das Blut des wilden Pferdes
Nicht brennendes Feuer das niemals verlöscht.

Licht aus Süden kannst du durchschauen
In tanzenden Augen voll Flamenco
Und Tarantella.
Wo Blicke verwunden sticht
Dein Blick den Tod.


Spiegelbild

Sehe
Im Fenster
Ein verkehrtes Bild
Und beobachte
Durch Glas und Unbild
Getrennt vom
Davor, bestimmt
Nichts anderes
Als Ich;
Fühle,
Stille
Dazwischen.


Trennung

Erblicke
Im Fenster
Ein Spiegelbild
Und sehe
Durch Glas
Und Spiegelbild
Getrennt vom
Davor
Tatsächlich nichts
Anderes
Als ich berühre


Tango

Tango tanz ich mit mir selber.
Der Geiger stimmt den ersten Ton.

Die Dame wartet auf den Einsatz
Der Boden wurde frisch gebohnert
Und vom Plafond kracht blank der Lüster.

So tanz ich; als wär´s der Letzte.
Ein kurzer Augenblick;
Sie führt, ich stech.
Gib mir noch ein paar Sekunden
Es eine Ewigkeit zu kosten.

Der Tango ist schon lang getanzt
Ich steh auf und geh zum Fenster.
Den schweren Samt reiß ich, zur Seite!
Und lass das Licht allein dem Saal.


TÖDLICHER FRIEDEN

tödlicher Frieden der tauben Panzer
die rollen und rollen
nicht wissend wohin noch woher

und in den Straßen
und auf den Plätzen
spielen die Kinder der Landser
mit Holzpferden und Steinkreuzen

die Armen und die Doofen sind geblieben
die Anderen zog es zum Meer
wo man den Horizont noch sieht
den Horizont der einem so fehlt

ihr Lacher lacht noch lächerlicher
glaubt weil ihr im Blut gebadet
ganz getaucht in schwarzem Blut
ihr wäret unverwundbar wunderbar

hört ihr nicht die Wellen rufen singend
seht ihr nicht die Wälder brennen fressend
warum schweiget ihr noch
die Natur wird’s richten meint ihr hinrichten


Zeiten

Der Morgen war
Wo der Frühling
Sang am Mittag
Lebte es
Den Sommer – Tanz
Kein Abend
Weiß schon
Was Herbst vermag
Die Nacht ist still,
Allein im Winter – erinnert –
Der Schlaf:
Erträumt den Tod,
Voraus.


AUS SCHMERZ

schwarze Tulpen auf weißem Grund
schreien aus dem rahmenlosen Bild
aus Schmerz der gebärenden Welt
schattenlos werfen sie graue Blätter
auf das leichenweiße Tuch
über dem Abgrund
des Tischrandes hinaus

mich ekelt
die Schlange frisst sich
aus Schmerz


Buch bestellen:

Über den Verlag erhältlich unter:
http://www.shaker-media.eu/de/Online-Gesamtkatalog/index.asp?ISBN=978-3-86858-188-1&ID=2

Kontakt zu Manfred H. Freude:

Homepage:

http://www.myblog.de/freude

eMail:

Manfred-Freudeweb.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)


Autorensteckbrief von Manfred H. Freude

Bücherinfo veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.02.2009

 

Manfred H. Freude

FREUDE
Das dichterische Werk 2002 - 2006. Freude beim Lesen

ISBN:

978-3-86858-188-1

Reihe:

Shaker Media

Unterreihe:

Belletristik

Sprache:

Deutsch

Seiten:

476 Seiten

Gewicht:

714 g

Format:  



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Blog

Freude

Freude

Verzeihen Sie, dass ich entgegnen meinem Namen rückwärts verschrieb. Man muss Mut haben, ohne jede aufgezwängte Lebensführung, sein Leben mit sich zu führen. Der heutige intellektuelle Mensch voller Angst und Zwängen. Du musst lernen, Du musst arbeiten. Dies ist eine sklavenhafte Lebensführung. Sie ist Milliardären, wie auch Lebenskünstlern fremd. So heißt ein Bibelspruch, „sehet die Vögel im Himmel, sie sähen nicht, sie ernten nicht und der himmlische Vater ernähret sie doch.“ Der einsame Mensch in den Fernen des Himalaja oder an den Ufern des Mittelmeeres, in den Wüsten, wie in den tiefsten Urwäldern ist sich selbst. Er ist sich selbst genug. Er betrachtet die Natur, ihr kommen und gehen und denkt über sich selbst nach. Das heißt, er ist mit sich beschäftigt. Dies ist ein hoher Zustand, der von dem Studierenden niemals erreicht werden kann. Alles Lernen ist nur etwas Äußerliches. Etwas von außen Übergestülptes. Dieser Sinn, den wir unserem Leben geben können, kann nur dieser sein, der in uns wohnt. Äußere und innere Anfechtung des Lebens können nur an uns herantreten, wenn wir sie zulassen. Wir können uns eben täuschen lassen. Die Wahrheit aber besteht darin, dass wir erkennen, es ist eben alles nur Traum. So beziehe ich mich hier gerade auf Hegel, der sich auf Jakobis Ausdruck bezieht, das Systeme ein organisiertes Nichtwissen seien. So kann man doch auch erkennen, das die gefassten Werke einer Büchersammlung komplett aus Unwissenheit bestehen, worin man aber wieder vom Einzelnen her von den einzelnen Autoren wie von dem Erkennen des Lesers nur eines einzelnen Textes, wie auch dadurch, dass der Bibliothekar innerhalb dieses Nichtwissens eine Ordnung hinzufügt und organisiert, das gerade hierdurch Wissen entsteht.

Hat ein Wort, eine Rede, ein Satz, ein Text, für den Leser Bedeutung, also dieses artikulierte eines Diskurses, als die Bedeutung alles Artikulierbaren, so fand dieses artikulierte seinen Sinn. Man lässt hierbei diese Sinnbedeutung zu Wort kommen. Heidegger bedeutet hierzu, das zum redenden Sprechen gehöre, als Möglichkeiten, Hören und Schweigen.

Wenn wir Welt erkennen, so können wir nicht nur sagen, das wir die Welt nur erkennen auf der das Tageslicht ist, vielmehr müssen wir um diese ganze Welt einzubeziehen, im Welterkennen, auch die Nachtseite einbeziehen.

Wir haben nur Angst, darum sprechen wir. Wir haben diese Angst, das wir uns nicht ausdrücken können. Und wir haben die Angst, dass wir nicht verstanden werden. Wie auch dieser Zuhörer, die Angst hat nicht zu verstehen, was wohl gemeint worden ist. Diese Angst ist derart, als wir ein lichtloses Spukschloss in dunkelster Nacht betreten, indem wir uns fürchten müssen. Nachdem dann das Licht angeht, erkennen wir, das es keinen Grund gab sich zu ängstigen. Es war kein Grund vorhanden. Es war Nichtsz.

Es geht um sehr viel mehr als alleine im Text steht. Um mehr als das, was im Raum, im Nichts, im Dunkel, liegt. Es heißt hierbei auch, das du ja siehst, wenn hier nichts zu sehen ist. Bei diesem Hören eines Musikstückes zu sagen, „du siehst ja, wie schön das Orchester spielt“. Um nun noch zu sagen, es geht hier immer um die dinge selbst.

Die Welt ist schön. Für mich, für mich, für mich. Nur der Gedanke, dass draußen etwas ist. Dass diese Welt verändert. Macht glücklich.

 

Die Gedanken sind frei. Das Stehlen von Kunstwerken gehört zu den Grundrechten der Menschheit. Glaube an Wissenschaft ist Glaube an Vergangenheit. Werke großer Meister in Museen sind nur geklaut. Der Gedanke gehört der Kunst. Wissenschaft stiehlt immer. Museen verwalten gestohlene Gedanken. Der Kapellmeister als Wissenschaftler verarbeitet Gedanken eines Beethoven und verjagt sie, als wäre er ein Kunstschüler.

Geklaut/Die Gedanken geklaut/ Die Gedanken sind frei. Deshalb werden sie geklaut. Man bedient sich immer bei den Gedanken Anderer. Sobald ich ein Buch lese, ein Gedicht lese, ein Bild betrachte, entziehe ich diesen die Gedanken des Künstlers. Die Gedanken sind frei, das hieße auch, das Gedanken kostenlos sind. Würde auch bedeuten, dass eine Bezahlung für Gedanken bereits Zensur ist. Wenn jemand ein Buch schreibt, und ein Anderer schreibt dies zur Hälfte ab, so ist das ein völlig anderes Artefakt. Das Problem liegt darin, ob Hinz und Kunz, ein Buch schreibt, dessen Inhalt von einem anerkannten Wissenschaftler übertragen wird, welches damit eine völlig andere Bedeutung bekommt, oder ob ein hoher Wissenschaftler ein Werk schreibt und es wird von Hinz und Kunz abgeschrieben. Wenn ich schreibe über allen Wipfeln ist Ruh, so wäre dies eine Hommage an Goethe, auch wenn der naive Leser nicht die Herkunft erkennt. Wenn ich von einem lebenden bekannten Dichter etwas abschreibe, wäre es ein Plagiat, wenn aber diese bekannte dichter etwas von mir abschreiben würde, wäre ich darauf stolz. Alles Geplänkel zwischen Amateuren ist doch Pillepalle. Den bekannten Autor zu verklagen, wäre nur eine neue Geschäftsidee.

Die Gedanken sind frei … alles Andere wäre doch Zensur. Würde auch bedeuten, dass eine Bezahlung für Gedanken bereits Zensur ist.

 

Das Buch Schweigen und das Nichtsz, sehe ich als eine hoch universitär-wissenschaftliche Arbeit. Dass ich mich hierbei nicht an universitär-wissenschaftlichen Gesichtspunkten und Formalien halte und messen lasse, ist zuerst meiner dichterischen Freiheit geschuldet zum Zweiten meinem Diskurs mit einer universitäts-wissenschaftlichen Überheblichkeit. Diese Hybris zeigt sich selbst in ihrer eigenen Sprache. In allen Katastrophen zeigt sich die universitär-wissenschaftliche Überheblichkeit, sowohl bei ihren Schöpfern wie bei ihren Kritikern. Wissenschaft kritisiert Dummheit. Dabei ist es gerade Dummheit, die man nicht kritisieren kann und schon gar nicht wissenschaftlich. Man kann lediglich Wissenschaft kritisieren.

 

 

 

Was ist denn ein Gedicht? Diese Frage ist doch einzigartig. Schließlich nicht zu beantworten. Man schreibt ein Gedicht, man liest ein Gedicht. Kann man ein Gedicht wahrheitsgemäß lesen? Ist ein Gedicht zum lesen? Ist ein Gedicht zum Nachschlagen? Ich unterscheide ein lustiges Gedicht zum Lachen, oder ein Gedicht, das sich angenehm lesen lässt, oder ein Gedicht, das ich zunächst nicht verstehe, weil ich erst etwas nachschlagen muss, etwas nachdenken muss. Wie kann man dies alles unter einen Hut bringen? Der Redakteur einer Lyrikzeitschrift muss sich überlegen, werden seine Gedichte im Kommödienstadel vorgetragen, oder im Schulunterricht, oder sollte seine Zeitschrift auch morgen noch etwas zum Nachdenken sein? Ansonst wäre es doch wieder die Blümchenzeitung.

 

Sprechakttheorie insbesondere, wenn man einen wissenschaftlichen Anspruch stellt, geht von einer Aufrichtigkeit aus. Aber können wir immer sicherstellen, dass wir im Sprechakt aufrichtig sind, auch wenn wir dies wollen? Sagen wir immer die Wahrheit, sind wir ethisch und moralisch? 

 

 

                             © Manfred H. Freude

Aachen, 2010-07-30

© 2011 MANFRED H. FREUDE

 

 

 

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Gesichter

Beurteilung von Menschen und Gesichtern

Bei deren Interpretation bei der Einordnung von Gefallen und Nichtgefallen ist der Mensch geleitet von Idealen und Regeln von denen er nicht abweichen kann. Diese Beurteilung und Interpretation von Menschen, Gesichtern und Körpern gilt auch für die Interpretation von Gedichten. Diese Interpretation folgt einer Regel und diese Regel ist allgemein. Das heißt sie ist über dem Durchschnitt nicht abweichend. Der Einzelne Interpret weicht allerdings von dieser Regel ab in dem er einzelne Dinge in seine Interpretation herein interpretiert. Dies darf er insbesondere nicht bei Gedichten. Eine genaue Interpretation darf und muss sich rein am geschriebenen Text orientieren. Der Interpret darf keinen Gedanken in den vorliegenden Text hinein interpretieren der nicht aus dem Text hervorgeht.

 

Das Gedicht als ästhetisches Gesicht!

Das Ideal eines Gesichtes, eines Körpers ist mathematisch berechenbar. Die Wahl eines durchschnittlichen ästhetischen Geschmacks wählt genau dieses Ideal. Andererseits ist es gerade das ein Individuum bei der Wahl seines Lebenspartners sich völlig entgegengesetzt seiner Natur, diesem Ideal gegenüber, verhält. Diese Idealauswahl begegnet jedem auch bei jedem Gedicht dem wir gegenüberstehen. Der Kritiker als Literaturwissenschaftler, Sprachwissenschaftler führt uns zu diesem Idealgedicht. Ist dieses Idealgedicht nun nur ästhetisch schön? Oder philosophisch, literaturpädagogisch, sprachwissenschaftlich durchgearbeitet? Das wirklich besondere Gedicht muss andere Kriterien aufweisen. Es lechzt nach dem einzelnen Individuum. Es will geliebt werden. Um seiner Selbst willen. Das gute Gedicht nicht nur wegen seinem Aussehen. Wegen seiner Vollkommenheit. Vielmehr wegen seiner inneren Werte. Es wird geliebt wegen seiner individuellen Werte die es von anderen Gedichten abheben. Die Frage lautet also, ist die Interpretation eines Gedichtes ein ästhetisches Urteil und das würde ja wohl bedeuten das hier nur interessenloses Wohlgefallen im Spiel wäre. Natürlich muss man bei jeder wissenschaftlichen Herangehensweise bei einem Gedicht zunächst von einer interessenlosen Herangehensweise ausgehen die dem Wesen eines Gedichtes widerspricht. Das Gedicht entzieht sich dieser Herangehensweise. Es ist kein Bauwerk an dem Man den exakten Schnitt nachweisen kann. Ein Gedicht ist ein Lebewesen es lebt im sich und wirkt aus sich heraus. Der Literaturkritiker und auch der Literaturpädagoge wenden jeweils sein Wissen und seine Technik an. Er kommt nicht einmal in die Nähe eines Gedichtes. Mit dem Anwenden dieser Methoden distanziert er sich vom Gedicht. Jeder Freund und Liebhaber des Gedichtes kann zum Gedicht vordringen. Ob nun die Einen das Mythologische ansprechen oder andere das Unbekannte, Göttliche zu Hilfe rufen. Es bleibt doch immer das Unbeweisbare. Wenn wir wirklich weiterkommen wollen, so können wir nur mit der Gegenwart beginnen die natürlich alles Historische bereits beinhaltet. Wenn wir ein neues Testament haben, wozu brauchen wir noch ein altes Testament.

 

Träume sind die Erfüllung von Wünschen

Diese Bestätigung seiner Theorie erkannte Siegmund Freud bereits vor 1900. Er bedachte nicht, dass sein Traum die Erfüllung seines Wunsches noch eine Bestätigung seiner Theorie war. Freuds Theorie tronte hier über das Unbewusste. Das Unbewusste ist aber nichts anderes als das mythologische Sprechen in der Dichtung wie das Sprechen der Götter im Himmel. Wie das Sprechen der Menschen auf Erden.

 

P.S. auch für Schweigen und Nichts …

 

Das Schweigen ist das methaphysisch-himmliche Geheimnis von Traum und Rausch.

 

 

 

Zu dem Gemälde die Schule von Athen

Sind nur noch Symbole längst verstorbener, vergangener Symbole für bestimmte Wissenschaften. Stehen, sitzen, liegen. Symbolisch für jeweils eine Wissenschaft auf die aufgebaut wurde, aufgebaut wie dieser Tempel; überdimensional erhoben, erhebend, nach Außen weisend. Nur das Wissen ist dargestellt. Keine Menschen! Die Wissenschaft triumphiert in einem Gemälde. Es kommt kein Wissen nur von oben, kein Wissen geht zum Himmel.

 

 

Das Schweigen als die Differenz

Die absolute Differenz zwischen sein und Nichts. Diese Zwischenwelt ist eine Welt des Werdens. Sie verhält sich wie ein könnte sein. Wie der Schein vom Sein im Sinne des Parmenides. Der Schein deutet auf das Sein wie der Blitz die Wolken mit der erde verbindet. Wie das Aufsteigende oder Absteigende Feuchte, Dunst oder Regen die Wolken mit der Erde verbinden. Denn die Quelle sollte nicht als Ursprung gedacht werden wie das Meer, in dem alles zusammen fließt auch nicht als das alleinige Ende gedacht wird. Es scheint nur so, es könnte sein; worüber wir sprechen ist nur unwesentlich. Es bedeutet nichts. Wenn ich das Schweigen als Schweigen bezeichne, dann gibt nicht bereits der Name die Bedeutung. Im Namen senden das Schweigen in seiner Vereinzelung in seine Fassetten sowie der Blitz nicht nur nicht nur der Name oder die bloße Erscheinung des Lichts vor der großen Finsternis ist. Durch die Bezeichnung erhalten wir die komplette Mischung. Mit Kauf von 500 g Tee eben eine komplette Mischung. Das Schweigen tritt nicht aus der Stille. Wenn es ja Stille wäre, wäre es ja Nichts. Es ist aber nicht mal ein Reden. Es ist die Erscheinung dazwischen. Man hat etwas gesehen, etwas erkannt, eine Erscheinung. Ein Engel, ein Blitz, das Aufleuchten eines Feuerwerks. Apparition. Zwischen der ätherischen Flamme, dem strahlenden Licht und der lichtlosen Nacht. Und nun tritt ein Schweigen auf das diese Dinge vermischt. Es hängt ein Spinnennetz vor dem lichtlosen Raum. Die darin verfangenen Teile werden geordnet. Der Akt des Unterscheidens beginnt. Das Wissen um das Ganze also die Rede oder die Stille ist nur Doxa. Ist nur Schein, ist nur bloße Meinung. Die Rede selber wird immer nur mit Schein erkannt. Das Schweigen aber ist ein Vermitteltsein. Etwas Geistiges von dem wir nicht reden können. Es ist absolut notwendig dass alles kommt und vergeht. Das auch das gesprochene Wort und der gesprochene Satz kommt und durch hören und rezipieren des Rezipienten vergeht. Der Rezipient als Augenzeuge der doch das gesprochene Wort wieder verfälscht. Dieser Vorgang geschieht im unendlichen Regress. Die Rede hören durch den Augenzeugen ist stets begrenzt. D.h. die Worte und die Sätze entstehen und vergehen. Der Raum dazwischen hier gesehen durch das Schweigen ist ständig. Die Frage nach der letztbedingenden Instanz: warum ist seiendes nicht vielmehr nichts. Nur zu sagen das die Aussage das Schweigen redet nicht gedacht werden kann als ein widerspruch zur Denkbarkeit ist zu kurz gedacht. Warum sprechen wir denn wie wir sprechen? Einzig und alleine aus dem Grund unserer Angst. Der Schein unserer Worte ist der Widerschein unserer Sprache. Unsere Rede entwickelt eine Scheinwelt. Zwischen dem Sein der Rede unserem zuhören unseren Gefühlen unseren Empfindungen entwickeln wir im Schweigen unseren Geist (nous) des Seins. In seinem Roman der Mann ohne Eigenschaften spricht Robert Musil über den General Stumm davon, das in Diskussionen als ein „ zweckloses Durcheinanderreden scheinen „ hierbei treffen wir beim scheinen auf ein könnte sein. Diese vielfachen Meinungen, selbst die Meinungen von Augenzeugen erwecken nur den Anschein, auf eine Wahrheit. Wie es für Nietzsche kein Objekt ohne Subjekt geben konnte, so gibt es auch für keine Rede, keine Sprache ohne ein Schweigen.

Schweigen, Parmenides die absolute Differenz.

Das Schweigen in einer anderen Bedeutung zu denken nämlich, das Schweigen als ein beredetes Schweigen als ein Reden zu erklären ist hier nicht richtig. Ebenfalls die Rede über das Schweigen auf die Gestik des äußern von Gefühlen zu beziehen ist hier auch nicht richtig. Es geht darum, dass die Rede nicht ohne Schweigen zu führen ist. Und es geht darum, dass jede Rede und jedes Schweigen eine Welt des Werdens ist. Es geht um die Welt des Werdens, einem könnte sein.  Die Differenz zwischen Schweigen und Reden zu relativieren. Die Differenz deutet auf die Welt des Werdens. Die Rede entsteht nicht alleine aus dem Schweigen. Sie gliedert sich auf durch die Benennung von Worten und Sätzen, durch das helle Licht des Erkennens und dem fragenden Dunkel des Nichtwissens. Durch diese Vermischung entsteht der Akt eines Ordnens. So ist doch klar, das diese Gründung meine Definition von Schweigen nicht ganz funktioniert sowie diese Begründungen von: alles fließt, oder alles steht still und die Begründungen: alles kommt aus dem Wasser oder alles kommt aus dem Feuer letztendlich nicht funktionierten. Auf der anderen Seite helfen aber diese Thesen bei der Bedeutung von Sprache, wie und warum Sprache funktioniert. Sprache funktioniert nämlich nicht als ein Reden und ein verstehen. Wenn einer redet kann der andere zunächst nicht verstehen, er kann aber auch nichts verstehen wollen. Das Problem aber ist das der Mensch davon ausgeht, er könne so reden oder schreiben, das immer etwas zu verstehen wäre. Er drückt sich aus, sagt seine Meinung. Diese Meinung ist aber immer nur Meinung, Doxa, Schein. Es scheint so als ob etwas so wäre. Als ob etwas könnte sein, stellt etwas dar für dasselbe und nicht dasselbe. Der Fehler liegt darin die Rede nicht für bloße Meinung zu halten sondern für wahr und wirklich wir könnten sagen im Sinne von Parmenides, das das was einer in einer Rede meint, in einem Sprechen sagt, nur von Göttern erkannt werden könnte, nicht von Menschen. Das Denken über das Ausgesprochene das vom Rezepienten ausgeht, steht in Differenz in der absoluten Differenz zum Ausgesagten. Hierbei handelt es sich um einen Relativismus: man kann alles behaupten, alles ist wahr oder auch nicht.

1 Kommentar 14.11.10 19:48, kommentieren

GEBURTSTAG ! am 2.4.2010 ein Jahr!

FREUDE: Das dichterische Werk 2002 - 2006. Freude beim Lesen von Manfred H. Freude von Shaker Media (Gebundene Ausgabe - 2. April 2009)

 

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In jeder guten Bücherei.

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Freude Das dichterische Werk 2002 - 2006

FREUDE
Das dichterische Werk 2002 - 2006. Freude beim Lesen
Autor: Freude, Manfred H.
ISBN: 978-3-86858-188-1
Einband: Gebundene Ausgabe
Format: 17 x 24 cm
Gewicht: 714 Gramm
Seiten: 476
Preis: 29,90 EUR

Gedichte Edition. Manfred H. Freude, geboren in Aachen, lebt und arbeitet in Aachen. Erste Gedichte 1968. Er debütierte 2005 mit seinem Gedichtband: Alles Gedichte – Keine Genichte. Weitere Gedichte und Essays in verschiedenen Anthologien, Zeitschriften; Prosa und Lyrik im Rundfunk und in weiteren sechs Gedichtbänden. 2007 wurde eines seiner Dramen mit dem Titel: Im Spiegel der Ideale aufgeführt; mehr

 

 

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Rückseite

Manfred H. Freude

FREUDE

Das dichterische Werk 2002 - 2006. Freude beim Lesen

ISBN 978-3-86858-188-1, 476 Seiten, 29,90 EUR

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Manfred H. Freude

 

FREUDE
Das dichterische Werk 2002 - 2006. Freude beim Lesen

Gedichte Edition. Manfred H. Freude, geboren in Aachen, lebt und arbeitet in Aachen. Erste Gedichte 1968. Er debütierte 2005 mit seinem Gedichtband: Alles Gedichte – Keine Genichte. Weitere Gedichte und Essays in verschiedenen Anthologien, Zeitschriften; Prosa und Lyrik im Rundfunk und in weiteren sechs Gedichtbänden. 2007 wurde eines seiner Dramen mit dem Titel: Im Spiegel der Ideale aufgeführt; 2008 sein Vorspiel zum Theaterstück: Faust-Arbeitswelten. Sein letzter Gedichtband heißt: Vom Hörensagen und Draufsätzen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen. Er studiert an der RWTH Aachen Literatur, Kunst und Philosophie.

Neu ISBN 978-3-86858-188-1, 476 Seiten, 29,90 EUR, Deutsch,
Neu Gebundene Ausgabe, 17 x 24 cm, 714 Gramm

 

 

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„FREUDE - Das dichterische Werk 2002 - 2006. Freude beim Lesen“ von Manfred H. Freude

Erschienen 2009 - Shaker Media, Aachen
476 Seiten (Gebundene Ausgabe) - Bestellung siehe Info!

Preis: EUR 29,90

 

 

ISBN: 978-3-86858-188-1

Das dichterische Werk 2002 - 2006 - Freude beim Lesen
Gedichte Edition.

Manfred H. Freude, geboren in Aachen, lebt und arbeitet in Aachen. Erste Gedichte 1968. Er debütierte 2005 mit seinem Gedichtband: Alles Gedichte – Keine Genichte. Weitere Gedichte und Essays in verschiedenen Anthologien, Zeitschriften; Prosa und Lyrik im Rundfunk und in weiteren sechs Gedichtbänden. 2007 wurde eines seiner Dramen mit dem Titel: Im Spiegel der Ideale aufgeführt; 2008 sein Vorspiel zum Theaterstück: Faust-Arbeitswelten. Sein letzter Gedichtband heißt: Vom Hörensagen und Draufsätzen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen. Er studiert an der RWTH Aachen Literatur, Kunst und Philosophie.

Einige Gedichte als Auswahl:

ENDE der Harmonien

Bild der Stille
Schreibt dunkel
Den Ton
Auf fallende Herbstblätter
Die schreien in Trommelfelle
Bevor sie das Moos ergreifen.

Und der Wald erzittert.
Ohne Grund fliehen Tiere wild,
Gestört in Städte,
In vergitterte Räume der Menagerien
In Museen der Angst.

Ohne Tänzer und ohne Strom
Erbleichen Bilder unter Sonnenlicht.
Beenden die erloschenen Projektoren
Die Vorführung.


Schwarze Augen

Schwarz und abgrundtief
Entdeckt von rätselhaften Lichtern
Siehst du die Rast ohne Heimat unvergleichlich.

See der leer vom dunklen Harz genommen
Noch tiefer du je in dich gestaunt
Ersehnend atmest du die tiefe Gunst.

Erblickt wird nicht das Herzweh
Noch das Blut des wilden Pferdes
Nicht brennendes Feuer das niemals verlöscht.

Licht aus Süden kannst du durchschauen
In tanzenden Augen voll Flamenco
Und Tarantella.
Wo Blicke verwunden sticht
Dein Blick den Tod.


Spiegelbild

Sehe
Im Fenster
Ein verkehrtes Bild
Und beobachte
Durch Glas und Unbild
Getrennt vom
Davor, bestimmt
Nichts anderes
Als Ich;
Fühle,
Stille
Dazwischen.


Trennung

Erblicke
Im Fenster
Ein Spiegelbild
Und sehe
Durch Glas
Und Spiegelbild
Getrennt vom
Davor
Tatsächlich nichts
Anderes
Als ich berühre


Tango

Tango tanz ich mit mir selber.
Der Geiger stimmt den ersten Ton.

Die Dame wartet auf den Einsatz
Der Boden wurde frisch gebohnert
Und vom Plafond kracht blank der Lüster.

So tanz ich; als wär´s der Letzte.
Ein kurzer Augenblick;
Sie führt, ich stech.
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Der Tango ist schon lang getanzt
Ich steh auf und geh zum Fenster.
Den schweren Samt reiß ich, zur Seite!
Und lass das Licht allein dem Saal.


TÖDLICHER FRIEDEN

tödlicher Frieden der tauben Panzer
die rollen und rollen
nicht wissend wohin noch woher

und in den Straßen
und auf den Plätzen
spielen die Kinder der Landser
mit Holzpferden und Steinkreuzen

die Armen und die Doofen sind geblieben
die Anderen zog es zum Meer
wo man den Horizont noch sieht
den Horizont der einem so fehlt

ihr Lacher lacht noch lächerlicher
glaubt weil ihr im Blut gebadet
ganz getaucht in schwarzem Blut
ihr wäret unverwundbar wunderbar

hört ihr nicht die Wellen rufen singend
seht ihr nicht die Wälder brennen fressend
warum schweiget ihr noch
die Natur wird’s richten meint ihr hinrichten


Zeiten

Der Morgen war
Wo der Frühling
Sang am Mittag
Lebte es
Den Sommer – Tanz
Kein Abend
Weiß schon
Was Herbst vermag
Die Nacht ist still,
Allein im Winter – erinnert –
Der Schlaf:
Erträumt den Tod,
Voraus.


AUS SCHMERZ

schwarze Tulpen auf weißem Grund
schreien aus dem rahmenlosen Bild
aus Schmerz der gebärenden Welt
schattenlos werfen sie graue Blätter
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über dem Abgrund
des Tischrandes hinaus

mich ekelt
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Das dichterische Werk 2002 - 2006. Freude beim Lesen

ISBN:

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Reihe:

Shaker Media

Unterreihe:

Belletristik

Sprache:

Deutsch

Seiten:

476 Seiten

Gewicht:

714 g

Format:

17 x 24 cm

Preis:

29,90 €

Erschienen:

Januar 2009

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Teil I

 

 

Gedicht an Niemand

Die Muse schweigt

Die tritt vor das Gedicht

Deckt mit ihrem Schleier

Tanzt im Rausch

Entflieht dem Keim

Und steht am Abgrund… vor der Wurzel

 

 

 

 

 

 

 

Die leeren Blätter

 

Die leeren Blätter,

Werden wir sie jemals beschreiben?

Die leeren Leinwände,

Werden wir sie füllen?

Werden wir die Felsen sprengen,

Um uns aus Ihnen unser Bild zu meißeln?

 

Den letzten Baum?

Werden wir ihn umholzen?

Aus ihm einen Tisch schnitzen, oder ein Kreuz?

Wenn wir endlich dem Wahnsinn verfallen sind.

Wenn wir unser Genie überwunden,

Sind alle Blätter beschrieben,

Alle Leinwände bemalt,

Alle Felsen gemeißelt und alle Hölzer geschnitzt.

Dann werden wir nur noch unsere Werke signieren.

Und unsere Zeichen in die Welt senden: gezeichnet

Und unsere Unterschrift hinzufügen,

Auf leere Blätter,

Auf leere Leinwände,

Wie Verliebte in Bäume ritzen und

Wie unsere Vorfahren auf Felsen spucken.

 

Nur unsere Unterschrift.

Das wird alles sein was uns ausmacht.

 

 

 

 

 

Anleitung:  wie ich dichte.

 

ich such den Punkt an meiner Stirn

und denk dahinter wäre Gehirn

dann meditier ich, schließ die Lider

und find mich bei den Füßen wieder

fängt die Erde an zu beben

entsteht um mir neues Leben

plötzlich wird mir eisig kalt

ein Pflänzelein

 dringt durch den Asphalt

ich stehe da von allen Sinnen

und das Dichten kann beginnen

Eins, Zwei, Drei, ein kleiner Keim

dieses war der erste Reim

ob ich stehe oder sitz

warte auf den Geistesblitz

so als würde es gleich kommen

wird es wieder weggenommen

versuch es doch mal aus dem Bauch

glaube manchmal das geht auch

plötzlich hab ich es erfasst

und freue mich dass alles passt

mir kommt nur etwas in den Sinn

und alles weitere fließt dahin

ich stehe da als Geistes Wesen

und bin bereit es vorzulesen.

 

 

 

Augenblick

 

Die Kunst bewahre ich im Auge

Das ich ausreiße

Für die Musik der Realität

Und Wirklichkeit.

 

Die Schatten der leeren Flächen

Signiere ich.

Den Augenblick

Im Namen der Kunst.

 

Wenn keiner kommt

Und alles abgehängt

Öffne ich die Tore

Der Tempel, für alle Staunenden.

 

 

 

DAS FRISCHE JAHR

 

so nah kommt schon die Zeit

so nah zum greifen bald

das vertraute Jahr ist fast schon kalt

die Hand die ausgedehnt

die Hand trägt schwarze Stätten

das Glied ist krumm von Gicht und weist

 

den Fuß der kaum gesetzt voran

den letzten Schritt der jetzt noch fehlt

berühren das Alte abzuschließen

der Schwung hat den Scheitel schon gereckt

der kleine Schopf bereit und auch das Maul

noch los zu schreien ehe das frische Jahr eröffnet

 

nur ein paar Augenblicke noch

nur ab und an ein lauter Knall

die Luft ist zum Erbrechen Klar

dem gewohnten Jahr fehlt jedes Haar

dem vertrauten Jahr fehlt jeder Zahn

und tief geneigt drängt es zum Schluss

 

die Zeit sie brennt nun stillzustehen

die Zeit drängt immer fortzuschreiten

das frische Jahr es wartet nicht

das neue Jahr es steht schon klar

das frische Jahr klatscht einfach ab

Cool Alter,, und frohes frisches Jahr “.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ENDE der Harmonien

 

Bild der Stille

Schreibt dunkel

Den Ton

Auf fallende Herbstblätter

Die schreien in Trommelfelle

Bevor sie das Moos ergreifen.

 

Und der Wald erzittert.

Ohne Grund fliehen Tiere wild,

Gestört in Städte,

In vergitterte Räume der Menagerien

In Museen der Angst.

 

Ohne Tänzer und ohne Strom

Erbleichen Bilder unter Sonnenlicht.

Beenden die erloschenen Projektoren

Die Vorführung.

 

 

 

 

 

Schwarze Augen

 

Schwarz und abgrundtief

Entdeckt von rätselhaften Lichtern

Siehst du die Rast ohne Heimat unvergleichlich.

 

See der leer vom dunklen Harz genommen 

Noch tiefer du je in dich gestaunt

Ersehnend atmest du die tiefe Gunst.

 

Erblickt wird nicht das Herzweh

Noch das Blut des wilden Pferdes

Nicht brennendes Feuer das niemals verlöscht.

 

Licht aus Süden kannst du durchschauen

In tanzenden Augen voll Flamenco

Und Tarantella.

Wo Blicke verwunden sticht

Dein Blick den Tod.

 

 

 

 

 

 

 

Spiegelbild

 

Sehe

Im Fenster

Ein verkehrtes Bild

Und beobachte

Durch Glas und Unbild

Getrennt vom

Davor, bestimmt

Nichts anderes

Als Ich;

Fühle,

Stille

Dazwischen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trennung

 

Erblicke

Im Fenster

Ein Spiegelbild

Und sehe

Durch Glas

Und Spiegelbild

Getrennt vom

Davor

Tatsächlich nichts

Anderes

Als ich berühre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tango

 

 

Tango tanz ich mit mir selber.

Der Geiger stimmt den ersten Ton.

Die Dame wartet auf den Einsatz

Der Boden wurde frisch gebohnert

Und vom Plafond kracht blank der Lüster.

 

So tanz ich; als wär´s der Letzte.

Ein kurzer Augenblick;

Sie führt, ich stech.

Gib mir noch ein paar Sekunden

Es eine Ewigkeit zu kosten.

 

Der Tango ist schon lang getanzt

Ich steh auf und geh zum Fenster.

Den schweren Samt reiß ich, zur Seite!

Und lass das Licht allein dem Saal.

 

 

 

TÖDLICHER FRIEDEN

 

tödlicher Frieden der tauben Panzer

die rollen und rollen

nicht wissend wohin noch woher

 

und in den Straßen

und auf den Plätzen

spielen die Kinder der Landser

mit Holzpferden und Steinkreuzen

 

die Armen und die Doofen sind geblieben

die Anderen zog es zum Meer

wo man den Horizont noch sieht

den Horizont der einem so fehlt

 

ihr Lacher lacht noch lächerlicher

glaubt weil ihr im Blut gebadet

ganz getaucht in schwarzem Blut

ihr wäret unverwundbar wunderbar

 

hört ihr nicht die Wellen rufen singend

seht ihr nicht die Wälder brennen fressend

warum schweiget ihr noch

die Natur wird’s richten meint ihr hinrichten

 

 

 

Zeiten

 

Der Morgen war

Wo der Frühling

Sang am Mittag

Lebte es

Den Sommer - Tanz

Kein Abend

Weiß schon

Was Herbst vermag

Die Nacht ist still,

Allein im Winter – erinnert –

Der Schlaf:

Erträumt den Tod,

Voraus.

 

 

 

 

 

 

 

 

AUS SCHMERZ

 

schwarze Tulpen auf weißem Grund

schreien aus dem rahmenlosen Bild

aus Schmerz der gebärenden Welt

schattenlos werfen sie graue Blätter

auf das leichenweiße Tuch

über dem Abgrund

des Tischrandes hinaus

 

mich ekelt

die Schlange frisst sich

aus Schmerz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mythos von Sisyphos

-                   der wahre philosophische Akt –

 

 

Leichte Todsünde im Schatten

Des Lebens das wert ist

Zu leben oder nicht

 

Den Rock´n Roll zu hassen

Der Lust des Wahns

Einmal das Fruchtwasser zu durchschwimmen

 

Und an das ENDE zu kommen

 

 

 

 

 

 

 

 

Schrei den Tod vom Leib

Der Schrei der tiefer

sitzt noch als die Brust

so tief im Genitalbereich

mit einer Hand

 

die Andere fortgestreckt

die Hilfe greifend

wo Hilfe die nicht da

weil es allein im Schmerz

 

den Kopf zum Nacken

eingeknickt und hoch

so vor der Brust zum Hals

die Adern schwellen

Gesicht verzerrt

die hübschen Augen fest geschlossen

die Haare wild und wirr

die Nase mittendrin

 

der Schmerz sitzt fest

und will und muss

heraus und mit ihm

alles Gedärm

und Herz und Leber

Lunge Nieren Magen

nicht vergessen alles

was dazu und drin

wo nur der Klagejammer

kann nicht kommen

lautloser Aufschrei

aus Weitgerissenem Maul

 

das weit genug

die ganze Erde auszuspeien

auf ein einziges Mal

obgleich es geht doch nicht

 

denn nichts geschieht

und keine Hilfe naht

armer Mensch in seiner Not

ach wäre er doch

 

o Herr vergib Maria hilf

wie weh ist uns

schrei nicht und bleib

die Hände zu Kreuz

 

gewinkelt noch

vor seinem Busen offenleer

so schreit es hier

den Tod vom Leib

 

 

WEINEN DER LEIDENDEN SONNE

 

Weinen der leidenden Sonne

Halten wir nicht mehr auf

Es streifen ihre Tränen

Noch immer unsere inneren Schichten

 

Weint sich bedeutungsvolle Löcher

In ihr ausgefülltes goldenes Gesicht

Es gibt keine Worte für Dichter

Zu trösten und ihr Leiden zu hindern

 

Unzählbare Horizonte unter gläsernem Himmel

Sandwüsten inmitten sengender Hitze

Laden die Sonne auf die Postkarten

Unmöglich alle ohne Leiden zu beschreiben

 

Weinen der altersschwachen Sonne

Halten wir nicht mehr auf

Wie tief geht noch unsere Trauer

Wenn wir uns nicht mehr offen zeigen

 

 

BLUTENDE LEIDEN PASSION

In Ansicht des Blutes

rücken wir enger zusammen

öffnen die Wasserhähne

spülen das Blut in die Abflüsse

Die offenen Wunden können wir nicht stillen

die Zeichen der Stigmata nicht verbinden

aus den Augen fließt das Blut

die Hände und Füße schmerzen

Kriege brennen sich in unser Fleisch

bei jedem Wetter kämpfen die Einzelnen

von hohen Bergen überblicken wir alles

und erhalten die neuen Gebote

In Ansicht des Blutes

rücken wir enger zusammen

wir nehmen jedes Opfer an

auch das Blut aller Bäume

Die geköpften Hähne

die zerrissenen Tauben

die geknickten Zweige

bluten für den Frieden

ohne das blutende Leiden

fehlen uns die Symbole

die uns als Menschen

Zusammen führen im Blut!

FERN SEH WELT

 

Hänge am Fenster zur Welt

die mir berichtet

Rund um die Uhr

mit Werbeunterbrechung

so fern zu sehen

höre vom Neuesten

aus aller Welt

immer dabei Krieg

das Neueste vom Tage

Aktuell am Zeitgeschehen

Sieger und Verlierer

auf der Fensterbank

betrachte die Nachbarn

Kommen und gehen

über alle Sender

was können wir noch sehen

was kann man uns noch zeigen

NEUES folgt nach

dem Testbild

mit Musik

das Wetter

 

 

 

GEMEINSAMER WORTWECHSEL

 

Siehst Du: die ganzen Jahre

in denen wir versuchten

gemeinsam Schritt zu halten

mit den übrigen Menschen

Haben wir kein Wort gewechselt

Kein Wort: jedenfalls kein solches Wort

was nicht führte zu einem weiteren

Schritt, der uns weiterführte

weiter in Gedanken und

in den Pfaden die vor uns

eingetreten von den Menschentieren

die uns vorangingen und

die noch Wussten –

die noch die Regeln kannten

vom Wissen das schon lange verbrannt

in Alexandria in Peking

unwiederbringlich verloren

so verloren wie wir

wenn wir nicht bald den Schritt finden

der uns weiterführt

Nur ein Schritt

der uns weiterführt

warte noch, mache nicht den

nächsten Schritt:

in den Abgrund

 

 

Literarischer  Ort

DICHTERGASSE

 

Im Inneren des Ortes

fern aller leeren Worte

stehen die Wände dichter.

 

Kann ein Wort entkommen?

Ein Vers, ein ganzer Satz: -

hinaustreten auf den Platz?

 

Aus allen Eingängen

betreten die Bilder die Ebene,

ziehen mit Rhythmus und Klang.

 

Die Stätte dieses heiligen Ortes

weiht der Dichtung eine Gasse.

Kein Wort bleibt Alleine!

NACHGEBURT

(Hommage an Franz V.)

 

Gehasste Liebe Den Nachgeburten

Verbrannt und weggeworfen in den Müll

den Tieren dort im Zoo zum Fraße hingeworfen

und um so sehr vermisst es fehlt

ein Teil von mir das ich’s vermiss

vom Leben nur ein Teil vom Tod

und doch so jäh entrissen wie ich

dem Mutterleib mit einer Spachtel ausgekratzt

 

Wohin bist du gegangen in der Frühe

Bruder oder soll ich sagen Schwester

hätt man zumindest dich mir eingepackt und beigegeben

und legte dann in Windeln fein

zu Hause dich in einen Reliquienschrein

so wie die Kirche es tat ein Leben lang

so schön auf einer schönen Bank

und auch ein Teil der Nabelschnur dabei

sollt nicht als Schlange weiterleben

um mir zu zeigen manchen Weg

An mancher Gabel angekommen wusste nicht wohin

 

Ihr sollt mich führen habt mir gefehlt

und bleibt mir lebenslang so groß

gehasste Liebe den Nachgeburten

verbrannt und weggeworfen in den Müll

und dann zum Himmel aufgestiegen

oder geradewegs in die Höll wohin ich folg

 

Ach, hätt ich euch doch hier bei mir

in mancher schweren Stunde Hilf

so könnte ich die falschen Wege mir ersparen

und hätt noch Zeit zum Beten

zum Lernen und zum Klagen von dies und das

 

Aber muss es nehmen wie es ist

den anderen will’s auch nit besser gehen

das Leben treibt sie so dahin

und können auch den Halt nicht finden

 

Es hilft wohl hier sehr wenig

wenn ich zeige wie ich leide

so bittre Qualen mich hier in Gedanken treiben

und all der weil den Lustigen spiele

der stets vergnügt dem nichts zu viel

wenn andere ebenso lustig und vergnügt

Anderen in die Tasche greifen

und haben dazu auch noch ihren Spaß

und sie sind auch doch nur ein Stück von denen

tragen sie denn nicht wie ich

gehasste Liebe den Nachgeburten

verbrannt und weggeworfen in den Müll

 

Auch ich hab einst gefeiert TRALALA

getanzt gesungen auf den Tischen

als ich die Nacht zum Tag gemacht

hab nicht gefragt ob du mir fehlst

vielleicht warst du auch nah dabei

hast selbst in manchem Bett gelegen

und konntest mir selber sagen

was gut und richtig sei

 

Doch wie war es damals aus dem Mutterleib

als wir so jäh getrennt

Es hat halt nicht sollen sein

und trotzdem grüß ich dich im nachhinein

so mach es gut man sieht sich sicher wieder

so dann wenn das Fleisch zum Fleische kommt

 

 

 

Riesenroter Mond der aufstieg

 

Riesenroter Mond der aufstieg

brennend mit leidenschaftlichen Küssen

begrüßt rotes Kalkweißgesicht pausbäckig

Kinderträume fliehen in glühende Himmel

Lila Kühe auf goldenen Wolken

Berge so flach wie Gedanken

und Meer so steil wie Wünsche

 

Sonne Mond und Sterne wahren Geheimnisse

im Nachtdunklen des Alls

so verliebt in träumende Galaxien

wie können wir die neuen Straßen finden

so zwischen den Gestirnen

bei welchem Stern kann man noch landen

mit Flöten auf den Lippen

 

Der Weg ist vorgezeichnet programmiert

die Erde reicht uns lang nicht mehr

wir greifen mit der Hand nach Sternen

und auch im Kopf schwirrt`s hin und her

und liegen doch auf unserer Wiese

die Blume steckt noch keck im Mund

wir bleiben wo wir sind

SCHÖNE KRIEGSBILDER

sind die blicke der menschen vergeblich gestorben

wenn sie trafen mit kameras stafeleien und bleistiften

kommentatoren des elends

war es das wert das sie stinken schreien starben

von hass fieber liebe und tod

vor unseren bildern die wir als erste bewahrten

 

bilder von amateuren des abenteuerurlaubs

bilder der skelette aus afrika

bilder der sexopfer aus asien

seht schaut die ansehnlichsten gewaltigsten bilder

bei häppchen und perlwein zu vernissagen

 

malen wir den sterbenden christus mit aller grausamkeit

auf die leinenwände der t-shirts

es ist nicht vergeblich gestorben worden

wie die skelette und die sexopfer

nicht vergeblich gestorben sind-: un-menschlich

 

in unseren augen-: die viel ertragen

morgen tanzen wir auf den schlachtfeldern

und die neuen tempel bauen wir auf den gräbern

 

wenn unsere augen am elend erstarren

erstarrt auch das unmenschliche

das schöne

 

 

Morgue

-Leichenschauhaus-

 

So kalt wenn draußen brennt das Licht

so drinnen tief das Leben bricht

die Kühlung lässt das starre Fleisch

nur noch notiert

sind allesamt gleich

 

so frostig geschlossen liegt im Lot

so still und ruhig weiht der Tod

den Frieden der nun eingetroffen

er geht vorbei

er lässt das Hoffen

 

so ist die Nacht wie Tag so hell

so wird der Wind von Nebel feucht

die Stille die den Atem löscht

sie greift die Hand

sie stärkt den Arm

 

so fühlt der Anfang noch das Ende

so weiß der Schluss wie es begann

das frühe Licht wirft weite Schatten

es ist vollbracht

lasst es geschehen

 

Still ein Blatt

 

Der Morgen beginnt

wacht auf Vögel singt:

mein Bruder Wels

schläft tief.

Wie ich die Sonne rief

fiel still ein Blatt

im Wind

sei stets gegrüßt,

mein Kind.

 

Ein Wort

 

Es schlug ein Meister

ein Wort in den Leib

Seine Injektion

treibt er fein

in die Ader des Blattes ein

nicht ohne Sinn kein Schrei

 

Es schlug ein Gärtner

ein Wort in das Feld

wie schnell es spross

das satte grün

Zum Winter wuchs ein weißer Baum

bis alles Gras darüber war

 

ADIEU

DEINE Hand, die eben ich noch hielt

die zogst du fort, für immer

gingst den letzten Weg alleine

 

Verzeih mir, vieles wollte ich noch sagen

vergessen ist das letzte böse Wort

doch das blieb stehen in der Welt

und ist noch nicht zurückgenommen

Dein letztes Wort: mach´s gut

das du mir gabst als letzten Gruß

gab ich zurück dir, als du schliefst

 

Ich weiß, nun bist du fort von hier

doch weiter trag ich dich in mir

und nimm dich mit durchs Leben

Am Gitter

 

Kunstmenschen wie wir

Beim Spielende

Glattrasiert und Schön

Fluchen den harten Tag

Verbittert am Gitter

Kennend die gleiche Wahrheit

Während wir alles Richtig machen

Wählen wir die Worte

Vor dem Altar

 

Einsamer Nie

 

Wie einsam und verlassen

so einsam hängt die volle Brust

und immer einsam stirbt die Lust

einmal lieben oder hassen

 

Einsam liegt der kalte Leich

doch so einsam ist die Reise

und im Kühlhaus ist es leise

noch so jung und Fell so weich

 

Versenkt im Hause wohnt ein Genie

sucht die Unzugängliche zu finden

Einsamer will die Einsame

in Irgendwer ständig in der Ecke

 

Für die Menschen sprechen

 

Für die Menschen sprechen  -

die Stimmen der Sprachlosen

der Stummen

die wortlosen Schweiger

wie die mundlosen Gesichter

 

für die Menschen sprechen –

die bodenlos am Abgrund stehenden

der Verlierer

die nicht über Wasser gehenden

stehen bis zum Hals im Fluss

 

für die Menschen sprechen –

als Sprecher der verfolgten

der Entleibten

aus Käfigen der Schädelgebeine

denen das Wort wortlos entzogen

 

Gewalt

 

Du und ich, wir beide

haben gelernt vom Reden und Schreiben

mit unserer Sprache zu zeichnen

 

Wir beide wissen von den Ansprüchen

wenn wir den Mund öffnen

können nicht: nicht antworten

 

wenn wir mit den Worten verwunden

mit unseren Zungen züchtigen

mit der infektiösen Rolle der Sprache

 

Wir verletzen die Ansprüche des Anderen

Wenn wir den Mund auftun

und uns der Schrei des Opfers verfolgt

 

Rechtfertigen mit unserem Schreiben

und begeben uns in Komplizenschaft

Wir trennen uns von den Barbaren

 

 

 

Plastikblumen

 

Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings

erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang

Das Auge schreibt die Textanalyse

ordnet die Teile des Erbrochenen

auf der Suche nach Sprache

zu gemachten Formen

 

Der Torso ist keine Natur

der Garten ist keine Kunst

Arkantus, Bärenklau und Lotus sind Formen

ein Bild heißt unzählige Worte

 

Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings

erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang

Das Auge hat notiert; das Auge hat fotografiert

und ohne die Nuancen -

am Ende ist der Mensch

der Mensch ist; mit seiner Kunst am Ende

 

so schaffen wir die Schöpfung neu

so schaffen wir die Kunst, der Schöpfung

und ohne Schöpfer schöpfen

uns selbst am Schopf aus dieser Schöpfung

 

Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings

erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang

was welkt, was erbricht

schön und erhaben, erhaben und schön

so stehen wir hier: und staunen

 

 

Stehe nicht

 

Ich steh am Abend

und höre nicht

Ich steh in der Nacht

und sehe nicht

Ich steh am Tag

und glaube nicht

Ich stehe im Traum

und weiß

 

Lege mich hin und schlafe.

In des Augen Blick

Wirklichkeitsgleichnis

 

Bewusstlos trat ich in den großen Raum und nehme Platz

Falle in die bequemen Sitze zum Träumen

Den Traum den ich durch einen Spalt betrat

Hab ich mit Neugier und mit Münze bezahlt

Schon erscheinen an den Wänden die flackernden Bilder

Steige ich sofort ein in die bewegten Bilder

Das Auge gebiert die Bilder sofort

Geblendet von der Schönheit der Realität

 

Nicht täuschend lassen erkenne ich den Raum

Es bleiben an den Wänden die wahren Bilder

Begreife ich die Realität meines Sitzplatzes

Und lasse Bilder an mir vorüberziehen

Mit allem Wissen meiner Wirklichkeiten

Verlasse ich nun den geschlossenen Raum

Und ist eins mit den objektiven Bildern

Die mich hinaustragen in meine Eigene Welt

 

Der Natur gegenüber bleibt der Gedanke dunkel

Täuschen wir uns nicht, spätestens wenn wir erkennen

Wenn wir nur den eigenen Leib erkennen

Und für immer schweigen könnten

 

 

Alte Stunden

 

Irgendwann

Wenn wir die alten Stunden und

das hermetische Poem

durchbrochen haben

zu entfliehenden Träumen der Realitäten

finden wir keine Titel für unsere Bilder

Wenn unsere Antitexte gebären

neue Begriffskräfte

Unsere Einbildungen sichtbar zu machen

Beginnen die neuen Zeiträume

Die Alten Reime gehen vorbei

Im Geschlossenen Verborgenbleiben

auch die junge Metapher von Morgen

Irgendwann ertrinkt der Hochgefluchte Tag im Nichts

- ich liebe jeden Tag der mir verflucht-

und wenn ich schrieb wie schön doch alles

ich glaub ich müsste mich erbrechen

 

Frag mich im August

 

Frag mich im August

Sommerende, im letzten Sonnenblick.

Ich war nie fort

wie Schnee und Eis

meine Haut im Sommerwind

Groß ist der Himmel im Goldfischglas

immer neue Inseln ohne Land

Frag mich im August

Das Gute ist so winzig

nur was Schlecht ist das bleibt groß.

Jede Pore stürmt

meine Haut im Sommerwind

Frag mich im August

ich war nie fort

und war einsam und allein unter den Menschen

Noch spurt der Sommer

Alles bleibt Erinnern

Frag mich im August

Wartend, wie Wind und Wolken

meine Haut im Sommerwind

Spiel ich noch einmal mit den Schlangen

und singe den bodenlosen Ton mit allen

Welche Nachricht bringt der Dornenvogel

an diesen Sommer, Nur Erinnern.

Frag mich im August

 

 

Himmelsworte

 

Gemalte Fensterscheiben scheinen

wie Himmelsworte bei Sonnenlicht

Spiegeln Töne auf Betbänken

 

Zeilenweise abzulesen

im goldenen Kirchenschiff

im Monstranzenschein

 

Gemalte Worte eingeschlossen

in gesegneten Tabernakeln

Betgedichte hermetische

 

Wehe, wehe

eins entkommt dem Kirchenraum

zur Kirchentür hinaus

 

Wie viele Kerzen müssten wir verbrennen

um ein entflohenes

zu bekehren

 

 

 

 

Hybride

 

Die weiße Orchidee ist eine Blume

ein Stern im Wasserglas

und Feuer brennen in den Tonnen

 

Hinter den regennassen Fenstern

tropfen die Schwarzweißbilder zerstört

und Glut brodelt in den Kratern

 

Die Liebe drängt zwischen den Phrasen

wie Blüten zwischen dem Fels

wie Schafe zwischen den Fronten

 

Die weiße Orchidee ist eine Blume

ein Stern im Wasserglas

der weint, wo längst keine Träne mehr

 

 

 

 

 

 

 

Hör noch

 

Nicht abzuschalten hören eure Ohren

Noch immer – Immerzu Noch

Ohren die alle Töne finden im Schneckenreich

Auch wenn die Worte

stumm und leer und still

 

So müssen alle Ohren weiterhören

Wenn sich die Augen schon

zum Schlaf gelegt

Wenn Flurnachbarn noch Feste feiern

Auch wer nicht will der hört noch mit

 

Kalt schlägt der Ton den Hammer Amboss

Auch wer nicht hören will der muss erlöschen

Wenn wir im Parlatorium noch Worte zählen

Hermetisch schließt das Totengedicht

 

 

 

 

 

Mediterranes

 

Verwässert sind die alten Quellen

Zu viele sind den alten Text durchfahren

und tranken von dem inneren Quell

der das Geflecht von neuem speist

 

Verdunkelt ist der alte Sternenhimmel

der stets die Ausfahrt und die Ankunft hat geleitet

den wir betrachtet schlafend am Olivenbaum

den Ort an dem die Fahrten wir geträumt

 

Es ist nicht leicht auf hoher See der Spur der Schiffe folgend

die gleiche Spur die sich in Räumen eingeschrieben

die neu durchmessen belichtet und erfahren

mit unseren Augenlichtern in die Wasser eingeritzt

 

 

 

 

 

Schönste Afrika

Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt

es brennt und brennt und brennt

mein makelvoller Körper

Dein Stolz mit wehendem Gewand wie

Erhaben führst du die Krone Afrikas sonnengleich

Bleib diese Nacht und auch die Anderen

Im Dunkel meines Herzens

werde ich weinen um dich

und früh die Milch von deinen Lippen trinken

 

Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt

Es brennt und brennt und brennt

Mein unheilbares Herz in Tränentrauer

Und dein gedeckter Tisch am fetten Busen

Wann werd ich ruhen noch dort schlafen

Die Schatten die dein Land bedeckt

In deinen Schenkeln werden sie Ruhe finden

Barfuss wie sie gekommen waren

 

Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt

Es brennt und brennt und brennt

Ich höre deine Trommelschläge rufen

Es ist viel Zeit vergangen zum Lernen

Von den Palmen die du einst gepflanzt

Fallen die Worte wie reife Nüsse

Es brennt jedes Zitat und schmerzt

Es ist dein eigener Kelch

Du schaffst dir selber deine Qualen

 

Süße Honigmilch

trinken und trinken und trinken

aus deinen schwarzen Kalebassen

die süße Honigmilch Afrikas

Am Morgen wenn wir uns treffen am Brunnen

Deine schwarze Haut und meine weiße Zunge

Schicke deine Kläffer zu den Kühen

 

trinken und trinken und trinken

aus deiner jungen schwarzen Milch

der süßen Quelle die mein Gedicht

Am Abend wenn du spielst das Spiel

werde ich schreien in die Nacht

bis der Panther lauscht

Dein Lächeln mit weiten Armen stillt den Kelch

 

trinken und trinken und trinken

aus deinen schwarzen Kalebassen

den öligen Saft deiner Haut

den Saft deiner süßen Frucht

Die reif ist wie dein duftender Körper

der meine Augenlichter jeden Tag versüßt

Ich werde die Schale holen schenk deinen Körper ein

 

 

Texte wachsen

 

Ich weiß nicht ob die Texte wachsen

Ich weiß nicht ob die Blätter nachgeboren

werden, gerade aus der Pflanze wachsen

wie leer ist doch ein Blatt und aderlos

 

Im Schriftraum steht der Text. Auf einem Fensterbrett.

Und wie am Brunnen treibt der Text mir aus dem Ohr

Der Akt des Schreibens ist mir manchmal peinlich

Wenn mir so nackt und ohne Wort vor leerem Blatt

das ich so bilderlos beschreibe. Es fehlt.

 

Es reicht nicht an das heilige Wort heran

vor dem die Heiden niederknien, erstaunt.

Im Spiegel bist du mir so nah wie unberührbar

höre ich dich nicht und kann dich nicht verstehen

Nur meinen Text im Spiegelbild. Der bleibt.

Was der Toten Gedichte

 

und trete ich doch in dieses land

das so rein so rein wie klares Wasser sei

was soll ich Gedichte schreiben für die LEBENDEN

 

die lebenden haben doch ohnehin keine zeit

nur die toten sind noch an Gedichten interessiert

die toten nehmen sich noch zeit

aus dunklen Augenhöhlen entziffern sie Zeichen

und tragen ihre Schatten zur Kunst

 

und tret ich doch in dieses Land

das so rein so rein wie klares Wasser sei

tief in die dunkelsten Gräber hinab zum Feierabend

nur dort kommen die besten Gedichte zusammen

lassen wir sie laut lesen wie es unsere Väter taten

und aus den tiefen hören wir die stimmen

die unsere Gedichte rezitieren mit Fleiß

 

und tret ich doch in dieses land

das so rein so rein wie klares Wasser sei

was soll ich Gedichte schreiben für die lebenden

 

CIELO himmelsblau

 

 

Ich habe diesen Himmel mir nicht ausgesucht

den ewig hohen den unendlich blauen

Es sind schon viele aufgefahren

und kamen nicht zurück

und auch die untergingen fielen tief.

 

Wer sucht schon selbst den Himmel aus

der ständig weint und brüllt

und wenn er schlägt mit seinem Zorn

Wohin soll ich mich wenden ohne Ort?

 

 

Nur an den Straßen gibt es Halt

doch warten wir doch vergebens oft

Bewegen uns am gleichen Platz ein Leben lang.

 

Ich bin nicht unter diesem Himmel

Ich bin nicht unter diesem Blau

Ich bin ein Stern wie alle dort hochfern

 

DVORAK Messe in D

 

Vom Kyrie Eleison bis Pacem

klagen wir betrübt das Göttliche

in die blühenden Töne

 

Weiterblättern zwischen Dornen

Schöpfen den Fluss

die harten Balken zu tränken

Wie schön die alte Orgel erblüht.

 

Im Segen des Gesangs steigen die Töne

Zwischen den Zeilen

Es fließt ein Bächlein zum rasenden Strom

Lasst noch einmal klingen MOLL

 

Wenn aber die Glocken läuten

in den Himmeln des Agnus Dei

Fallen Menschen auf die Knie.

Wie Engelschweben

 

Es ist kein Ton zuviel im Raum

Klagen wir betrübt das Göttliche

in die blühenden Töne.

 

 

 

Fraglos

 

 

Fraglos – Fraglos die

stummen Zeiten still

und wortlos

keine Antwort

 

Ungefragte Fraglos -

Stille, Atemräume

Fragloshauch im

Kältenebel sichtbar

Kein Ton atmet, Atemlos

ein und aus im Stimmenhauch

nur Gurgeln, Stammeln,

Stimmlos – Stimmlos

Fraglos

 

 

 

 

Kämest du wieder

 

Kämest du wieder weiße Wolke eines Tages

die von Westen nach Osten fliegt

Kämest du wieder eines schönen Tages ohne zu wissen

im frühen September eines schönen Tages

 

Weiße Wolke kämest du wieder an diesem schönen

unendlichen Tag so weiß wie heute jetzt himmelhoch

Wie du vorbeiflogst mit Brüdern und Schwestern

Erzähle mir vom Gras von Sand vom Meer

 

Kämest du einmal zurück und erzählst eines Tages

du triffst mich hier wie immer wenn ich nach oben schaue

ziehst du vorüber im weißen Kleid deiner Unschuld

 

Ich werde Trauer tragen und Blut wenn du wiederkommst

und nie mehr gehen von diesem Platz

Mein Herz stand über dir es war die Sonne

 

Narrativ - kennt jeder

 

Narrativ

der Kulturkreis –

kennt jeder

das Allgemeine

das Erzählerische Wissen –

kennt jeder

aber

das wissenschaftliche

Wissen

das Wissenschaftliche,

beschäftigt die Mathematik

Zusammenhänge der Natur

theoretisch

sehr  theoretisch :

- kennt jeder

 

 

 

 

 

Kindergarten  1953

 

Die kleinen Klapperschlangen spielten

hinter dem Strich der Reformation

Wir aber trugen Hirschleder

ohne wenn und aber

 

alles mit Jesulein und Ave Maria

gab’s Prügel auf dem Schulhof

hinter der Linie

bis aufs Blut

 

Viel Schlimmeres

Prügelstöcke nach verlorenem Krieg

das Schlimmste -:

Kakaogeld vergessen

alles Jesulein und Ave Maria

wenn sich die Klapperschlangen drehten

gab’s Nachsitzen

Kein Vergnügen

Selbst Spielen war Ernst

 

Aber heute noch sehe ich wie

die kleinen Klapperschlangen spielten

 

Leser

 

Wir, die Lesenden, kennen die Welt

die verkehrte Welt

nur aus unseren Büchern.

Wir, lesen doch mit beiden Augen

und leben doch in anderen Welten.

Wenn ich die Türen öffne – STAUNEN

 

Wir, die Lesenden, kennen die Welt

nur von den Hörenden

erfahren sie

vergänglich und flüchtig

teilen wir uns alles mit

Was schon immer doppelt vorhanden

 

Wir, die Lesenden, kennen die Welt

Hier, nicht ohne den Unterschied

Wann und wo wir hinausgehen

von Innen nach Außen

entsteigt unser Gedicht

Dunkel dem Licht

 

 

Liebe, du weißt....

 

mein Herz fiel, noch ehe es geöffnet

brennt nun auf kaltem Marmor

der in der Röte wunder Rosen

mein Herz tötet, noch ehe es spricht.

 

mein Herz zerfloss ehe es geschöpft,

fließt nun hinauf in die Schöße

der sich ewig Liebenden

Mein Herz ertrinkt, ehe es geatmet

 

 

Wo sind die Töne die erklangen

in der Nacht, am heraufbeschwörten Tag

als wir uns liebten,

 

Wo sind die Schreie die erklangen

in der Nacht, am heraufbeschwörten Tag

als unsere Liebe entbrannte. Du weißt.

 

 

 

 

 

 

Meiner Schreibe

 

Der Himmel deckt sich über meinen weißen Schlaf

Du, schreibst in diesen Gedanken dir

Dein Wort unter unserem Himmel.

Komm, komm, hilf mir den Text verschieben

 

Der Himmel deckt sich über meinen weißen Schlaf

Dir gefällt nicht dieser Text der dich beschreibt

Du glaubst mir das er unbedeutend

und sich entfaltet so wie du am Abend

 

Ach, wenn ich tot bin werd ich Weiterschreiben

Wort für Wort und Wort

wird meine Zunge deine Reden schreiben

 

Ach wenn ich tot bin werd ich Weiterschreiben

Wort für Wort und Wort

und meine gebrochenen Augen von dir lesen.

 

 

 

 

Scheinheilig vergangen

 

Ich fühle die Worte nicht

es ist kein Gefühl für Sätze

weiche und narbte Worte

stoßen sich ab

 

Wie Wasser von herzem Stein

Wie Wasser von Blau, Genau

 

Ich fühle die Worte nicht

im immer Stromauf - Lachsgleich

 

die Worte zu Götterhöhe,

Trinke auf halbem Wege

aus dem bitteren Brunnen - scheinheilig

 

Ich fühle die Worte nicht

es ist kein Gefühl für Sätze

bei den Quellen vergangen

 

 

 

 

 

 

Schöpfungsstunde

 

 

Nun kommt die Stunde

in der die Worte aufgestiegen

heraufgeworfen

waren da,

wo vorher nichts

von ihnen war

 

Doch,

als der Dämmerzustand

endete

Da war ich leer und hungernd,

taumelnd

 

 

 

 

 

 

 

Unvergleichlich

-                    mit Roger Willemsen und

Benjamin von Stuckrad-Barre -

 

Alles unvergleichlich wie man nachsagt

aber was soll´s?

Alles unvergleichlich

Nicht mit diesem Roger Willemsen

und auch nicht mit Benjamin von Stuckrad – Barre

Kein Vergleich

alles unter den Schein

Werfern, Glücklos, trostlos, langweilig

Wir haben uns nie geliebt

Niemals

aber unser Publikum lacht

über alles über jeden über all

wie über den Clown der sich bald

den Hals bricht.

alles unvergleichlich wie man nachsagt,

aber was soll´s?

Alles über Allem wird schwer und

Alles wird schwer über uns

Nicht mit diesem Roger Willemsen

und auch nicht mit Benjamin von Stuckrad – Barre

vergleichbar

vielleicht zwischen den Zeilen

vielleicht zwischen den Worten

vielleicht auf der Mitte des Weges

alles was Menschenmöglich

von den Ursprüngen der Geschichten

bis zu deren Sterbebetten

Alles Unvergleichlich

Unvergleichlich

 

Würgen

 

Alles empirisch,

Schicht um Schicht

Millionen

fruchtbare und furchtbare Jahre

Mit dem Abgrund fängt`s an:

Tiefschlafschichten

Versunken – Hocharbeiten ins REM

Wende der Zeiten

 

Friedensfürsten bis zur Grasnabe

Von Unten.

Unerreichbar unterm Himmelsblau

 

Heilsam; den Schwarzwald sehen?

Schinderhütte

Knüppelpfade zu Einsiedeleien

Anspruch und Ungesprochen

ungelöste feuchte

Herzen

 

Aachen, Am Hof

 

EISZEIT, kalte Brüste

schwülheißer Hintern

überall Pflaster

 

Chic auf Alt

Von Römerbad bis Domkeller

Nur kein Verkehr

Fühlt ihr es auch wie wir

 

Ihr Klingeltöne

 

Ihr zerstörten Freizeitler

Ihr Schleckermäuler schokoladenhäutige

ihr Liebhaber des edlen Gerstensaftes

 

 

 

 

 

 

Du liest mein Gedicht

 

Du liest

du liest mein Gedicht

du liest noch einmal mein Gedicht

du schweigst, liest noch einmal

dein Auge tränt über deine Wangen

das Gedicht ist leicht folglich so schwer

und dir bekannt wie dir der Text

es bleibt still während du

jeden Buchstaben neu betrachtest

kein Wort zu wenig kein Wort zu viel

Mein Herz wird schwer ich gehe

und heute fast ein Jahr vergangen

Du liest

du liest mein Gedicht

du liest mein Gedicht noch immer

Ich aber seufze!

 

 

 

 

EISKALT

 

Eiskalt dieses Leben

unerkannt

bleiben Illusion und Glaube

Viele Schichten von Geschichten

zur Geschichte

Vom Ursprung zur Distanz

 

Beugen wir uns noch

an der Quelle trinkend

von Erinnerungen

Ursprünglich von tiefem Grund

Geburten folgend

ohne Eingriff, ohne Götter

Neuen Bedeutungsschichten

 

Der schöne Krug

den wir zur Quelle trugen

nur gibt Kraft weiter zu leben

 

Es ist der Quell der unter vielen

unentdeckten Schichten

unzerstörbar weiterfließt

ungetrübt noch mit sich selber spielt

Ich tauche auf aus meinen Niemandsschichten

 

Ich tauche auf aus meinen Niemandsschichten

Ich tauche auf aus Herz und Kopf

alles was mir noch fehlt

drei, zwei, eins – meins

Was ich mir nicht kaufen kann

dies bisschen Verstand

was ich mir nicht kaufen kann

dies bisschen Liebe

was ich mir nicht kaufen kann

das zwischen dir und mir

das was wir „mitmenschlich“ nennen

In meinem Elternhaus hingen keine toten Schweine

wurde auch kein Krieg gespielt

alles bürgerlich, alles spießig

Ich tauche auf aus den Niemandsschichten

Ich tauche auf aus Herz und Kopf

all diese Krankheiten auf der Haut

mit Worten zuschmieren wie mit Salben

diese syphillistischen Krankheiten

des Genius Poetica zwischen uns

immer neu infizierend

Landschaften zwischen Erzählenden und Hörer

unter dem Mikroskop – Monaden –

Schichten um Schichten alles Geschichten

Verstand, Liebe und Mitmenschlichkeit

alles Leichenschauhaus, alles pathologisch

 

 

Nahe dem Ufer liegt die Droste im Grase

Nahe dem Ufer liegt die Droste im Grase

aus trunkenen Quellen ein Schöpfungsschrei

aber

alles so Dicht, Gipfel und Wolken

nicht Pfarrer Oberlin und Dichter Lenz im Steinthale

in wahnsinnigen drei Wochen, o Ideale

 

Aus verachteter Natur

werden Menschen zu Holzpuppen.

Ist dieser Himmel schöner als die Welt?

Zum Leben das Leben, mit Fleisch und Blut.

 

Soviel zwischen Tal und Himmel.

Graue Wolken mal unten mal oben.

 

Escape ins All, schmerzhaft den Kopf im Moos

aus trunkenen Quellen ein Schöpfungsschrei

Innen geplagt und zerrissen in Depressionen

kein Außen. Leere Mitte, nichts anderes.

 

Bewusstlos vor all den Träumen erscheinen

denkbare Bilder; nicht mir, nicht dir

Ein phalerae für das Heer der aqulifai

aber alles so dicht, mal unten, mal oben

 

Leere, vollkommene Leere - in der Mitte.

Rechts und links saugen die Ränder ins Zentrum

doch dies ist wieder eine andere Geschichte

keine Nänie für Frühgeburten

Aus trunkenen Quellen ein Schöpfungsschrei.

 

Noch richtet sich die Welt nach meinen Worten

Alles hat doppelte Bedeutung und Kontinuität

Nichts war und nichts wird sein

Verkünden ewig wiederkehrend die Wellen

 

 

 

 

NICHTS

 

Unschlagbar harte Worte in Urgestein

Ihr steht am Fuß der Schichten

nach dem Schritt am Bodengrund

kein Echo – kein Wort

Schichten und am Anfang Himmel

Allein, Einsam und Allein

mit dem Selbst

mit dem Handgriff den Faden finden

bleibt: NICHTS

zwischen Muschelkalksandschichten

längst verschwundener Meere

wie wir verschwunden

Unschlagbar harte Worte in Urgestein

kein Münchhausen zieht es selbst

bis die See kommt und aufschwemmt

bleibt: NICHTS

Tonlos in den Schichten in Urgestein

hören, Noch den Knall

der Entstehung dieser Welt

 

 

 

 

Nur im harten Sturmwind

stehe ich fest

 

Nur im harten Sturmwind

stehe ich fest

Nur im harten Anflug der Worte an der Klippe

mit meinen Flügeln

befestigt mit Bienenwachs

Wachsworte in eurem Mund

Schmelzen wie Schaum

Schäumen wie Schmelz

Mund voller Wachsworte

Von dieser Klippe

Sonnenaufgang, Sonnenuntergang

aushalten verblendet

über der Mitte von Wasserhimmelblau

Nur im harten Sturmwind stehe ich fest

Nur im harten Anflug der Worte

an der Klippe

Zerstört und ruiniert

mit der Suche nach dem Poeten

 

 

 

 

Warum du

 

Warum du

sprichst noch diese Wälder auf die See an

alle Götter sind verschwunden so wie du

 

Allein du

Gestern noch, ging einer übers Meer

Verbannt ist von Augustus nach Thomae

so ins Antiparadies der Gegenwart Berlin

die Sprache

 

Wirklich, diese haben alle ja so Recht

aber sie meinen es nicht echt

diese Frage sei mir erlaubt

 

Keiner, keiner, Nein nicht einer

nichteinmal wir selbst am allerwenigsten

Wenn wir das Alles vorher gewusst hätten

 

 

 

 

 

28.3.10 22:17, kommentieren

Teil I

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Gedicht an Niemand

Die Muse schweigt

Die tritt vor das Gedicht

Deckt mit ihrem Schleier

Tanzt im Rausch

Entflieht dem Keim

Und steht am Abgrund… vor der Wurzel

 

 

 

 

 

 

 

Die leeren Blätter

 

Die leeren Blätter,

Werden wir sie jemals beschreiben?

Die leeren Leinwände,

Werden wir sie füllen?

Werden wir die Felsen sprengen,

Um uns aus Ihnen unser Bild zu meißeln?

 

Den letzten Baum?

Werden wir ihn umholzen?

Aus ihm einen Tisch schnitzen, oder ein Kreuz?

Wenn wir endlich dem Wahnsinn verfallen sind.

Wenn wir unser Genie überwunden,

Sind alle Blätter beschrieben,

Alle Leinwände bemalt,

Alle Felsen gemeißelt und alle Hölzer geschnitzt.

Dann werden wir nur noch unsere Werke signieren.

Und unsere Zeichen in die Welt senden: gezeichnet

Und unsere Unterschrift hinzufügen,

Auf leere Blätter,

Auf leere Leinwände,

Wie Verliebte in Bäume ritzen und

Wie unsere Vorfahren auf Felsen spucken.

 

Nur unsere Unterschrift.

Das wird alles sein was uns ausmacht.

 

 

 

 

 

Anleitung:  wie ich dichte.

 

ich such den Punkt an meiner Stirn

und denk dahinter wäre Gehirn

dann meditier ich, schließ die Lider

und find mich bei den Füßen wieder

fängt die Erde an zu beben

entsteht um mir neues Leben

plötzlich wird mir eisig kalt

ein Pflänzelein

 dringt durch den Asphalt

ich stehe da von allen Sinnen

und das Dichten kann beginnen

Eins, Zwei, Drei, ein kleiner Keim

dieses war der erste Reim

ob ich stehe oder sitz

warte auf den Geistesblitz

so als würde es gleich kommen

wird es wieder weggenommen

versuch es doch mal aus dem Bauch

glaube manchmal das geht auch

plötzlich hab ich es erfasst

und freue mich dass alles passt

mir kommt nur etwas in den Sinn

und alles weitere fließt dahin

ich stehe da als Geistes Wesen

und bin bereit es vorzulesen.

 

 

 

Augenblick

 

Die Kunst bewahre ich im Auge

Das ich ausreiße

Für die Musik der Realität

Und Wirklichkeit.

 

Die Schatten der leeren Flächen

Signiere ich.

Den Augenblick

Im Namen der Kunst.

 

Wenn keiner kommt

Und alles abgehängt

Öffne ich die Tore

Der Tempel, für alle Staunenden.

 

 

 

DAS FRISCHE JAHR

 

so nah kommt schon die Zeit

so nah zum greifen bald

das vertraute Jahr ist fast schon kalt

die Hand die ausgedehnt

die Hand trägt schwarze Stätten

das Glied ist krumm von Gicht und weist

 

den Fuß der kaum gesetzt voran

den letzten Schritt der jetzt noch fehlt

berühren das Alte abzuschließen

der Schwung hat den Scheitel schon gereckt

der kleine Schopf bereit und auch das Maul

noch los zu schreien ehe das frische Jahr eröffnet

 

nur ein paar Augenblicke noch

nur ab und an ein lauter Knall

die Luft ist zum Erbrechen Klar

dem gewohnten Jahr fehlt jedes Haar

dem vertrauten Jahr fehlt jeder Zahn

und tief geneigt drängt es zum Schluss

 

die Zeit sie brennt nun stillzustehen

die Zeit drängt immer fortzuschreiten

das frische Jahr es wartet nicht

das neue Jahr es steht schon klar

das frische Jahr klatscht einfach ab

Cool Alter,, und frohes frisches Jahr “.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ENDE der Harmonien

 

Bild der Stille

Schreibt dunkel

Den Ton

Auf fallende Herbstblätter

Die schreien in Trommelfelle

Bevor sie das Moos ergreifen.

 

Und der Wald erzittert.

Ohne Grund fliehen Tiere wild,

Gestört in Städte,

In vergitterte Räume der Menagerien

In Museen der Angst.

 

Ohne Tänzer und ohne Strom

Erbleichen Bilder unter Sonnenlicht.

Beenden die erloschenen Projektoren

Die Vorführung.

 

 

 

 

 

Schwarze Augen

 

Schwarz und abgrundtief

Entdeckt von rätselhaften Lichtern

Siehst du die Rast ohne Heimat unvergleichlich.

 

See der leer vom dunklen Harz genommen 

Noch tiefer du je in dich gestaunt

Ersehnend atmest du die tiefe Gunst.

 

Erblickt wird nicht das Herzweh

Noch das Blut des wilden Pferdes

Nicht brennendes Feuer das niemals verlöscht.

 

Licht aus Süden kannst du durchschauen

In tanzenden Augen voll Flamenco

Und Tarantella.

Wo Blicke verwunden sticht

Dein Blick den Tod.

 

 

 

 

 

 

 

Spiegelbild

 

Sehe

Im Fenster

Ein verkehrtes Bild

Und beobachte

Durch Glas und Unbild

Getrennt vom

Davor, bestimmt

Nichts anderes

Als Ich;

Fühle,

Stille

Dazwischen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trennung

 

Erblicke

Im Fenster

Ein Spiegelbild

Und sehe

Durch Glas

Und Spiegelbild

Getrennt vom

Davor

Tatsächlich nichts

Anderes

Als ich berühre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tango

 

 

Tango tanz ich mit mir selber.

Der Geiger stimmt den ersten Ton.

Die Dame wartet auf den Einsatz

Der Boden wurde frisch gebohnert

Und vom Plafond kracht blank der Lüster.

 

So tanz ich; als wär´s der Letzte.

Ein kurzer Augenblick;

Sie führt, ich stech.

Gib mir noch ein paar Sekunden

Es eine Ewigkeit zu kosten.

 

Der Tango ist schon lang getanzt

Ich steh auf und geh zum Fenster.

Den schweren Samt reiß ich, zur Seite!

Und lass das Licht allein dem Saal.

 

 

 

TÖDLICHER FRIEDEN

 

tödlicher Frieden der tauben Panzer

die rollen und rollen

nicht wissend wohin noch woher

 

und in den Straßen

und auf den Plätzen

spielen die Kinder der Landser

mit Holzpferden und Steinkreuzen

 

die Armen und die Doofen sind geblieben

die Anderen zog es zum Meer

wo man den Horizont noch sieht

den Horizont der einem so fehlt

 

ihr Lacher lacht noch lächerlicher

glaubt weil ihr im Blut gebadet

ganz getaucht in schwarzem Blut

ihr wäret unverwundbar wunderbar

 

hört ihr nicht die Wellen rufen singend

seht ihr nicht die Wälder brennen fressend

warum schweiget ihr noch

die Natur wird’s richten meint ihr hinrichten

 

 

 

Zeiten

 

Der Morgen war

Wo der Frühling

Sang am Mittag

Lebte es

Den Sommer - Tanz

Kein Abend

Weiß schon

Was Herbst vermag

Die Nacht ist still,

Allein im Winter – erinnert –

Der Schlaf:

Erträumt den Tod,

Voraus.

 

 

 

 

 

 

 

 

AUS SCHMERZ

 

schwarze Tulpen auf weißem Grund

schreien aus dem rahmenlosen Bild

aus Schmerz der gebärenden Welt

schattenlos werfen sie graue Blätter

auf das leichenweiße Tuch

über dem Abgrund

des Tischrandes hinaus

 

mich ekelt

die Schlange frisst sich

aus Schmerz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mythos von Sisyphos

-                   der wahre philosophische Akt –

 

 

Leichte Todsünde im Schatten

Des Lebens das wert ist

Zu leben oder nicht

 

Den Rock´n Roll zu hassen

Der Lust des Wahns

Einmal das Fruchtwasser zu durchschwimmen

 

Und an das ENDE zu kommen

 

 

 

 

 

 

 

 

Schrei den Tod vom Leib

Der Schrei der tiefer

sitzt noch als die Brust

so tief im Genitalbereich

mit einer Hand

 

die Andere fortgestreckt

die Hilfe greifend

wo Hilfe die nicht da

weil es allein im Schmerz

 

den Kopf zum Nacken

eingeknickt und hoch

so vor der Brust zum Hals

die Adern schwellen

Gesicht verzerrt

die hübschen Augen fest geschlossen

die Haare wild und wirr

die Nase mittendrin

 

der Schmerz sitzt fest

und will und muss

heraus und mit ihm

alles Gedärm

und Herz und Leber

Lunge Nieren Magen

nicht vergessen alles

was dazu und drin

wo nur der Klagejammer

kann nicht kommen

lautloser Aufschrei

aus Weitgerissenem Maul

 

das weit genug

die ganze Erde auszuspeien

auf ein einziges Mal

obgleich es geht doch nicht

 

denn nichts geschieht

und keine Hilfe naht

armer Mensch in seiner Not

ach wäre er doch

 

o Herr vergib Maria hilf

wie weh ist uns

schrei nicht und bleib

die Hände zu Kreuz

 

gewinkelt noch

vor seinem Busen offenleer

so schreit es hier

den Tod vom Leib

 

 

WEINEN DER LEIDENDEN SONNE

 

Weinen der leidenden Sonne

Halten wir nicht mehr auf

Es streifen ihre Tränen

Noch immer unsere inneren Schichten

 

Weint sich bedeutungsvolle Löcher

In ihr ausgefülltes goldenes Gesicht

Es gibt keine Worte für Dichter

Zu trösten und ihr Leiden zu hindern

 

Unzählbare Horizonte unter gläsernem Himmel

Sandwüsten inmitten sengender Hitze

Laden die Sonne auf die Postkarten

Unmöglich alle ohne Leiden zu beschreiben

 

Weinen der altersschwachen Sonne

Halten wir nicht mehr auf

Wie tief geht noch unsere Trauer

Wenn wir uns nicht mehr offen zeigen

 

 

BLUTENDE LEIDEN PASSION

In Ansicht des Blutes

rücken wir enger zusammen

öffnen die Wasserhähne

spülen das Blut in die Abflüsse

Die offenen Wunden können wir nicht stillen

die Zeichen der Stigmata nicht verbinden

aus den Augen fließt das Blut

die Hände und Füße schmerzen

Kriege brennen sich in unser Fleisch

bei jedem Wetter kämpfen die Einzelnen

von hohen Bergen überblicken wir alles

und erhalten die neuen Gebote

In Ansicht des Blutes

rücken wir enger zusammen

wir nehmen jedes Opfer an

auch das Blut aller Bäume

Die geköpften Hähne

die zerrissenen Tauben

die geknickten Zweige

bluten für den Frieden

ohne das blutende Leiden

fehlen uns die Symbole

die uns als Menschen

Zusammen führen im Blut!

FERN SEH WELT

 

Hänge am Fenster zur Welt

die mir berichtet

Rund um die Uhr

mit Werbeunterbrechung

so fern zu sehen

höre vom Neuesten

aus aller Welt

immer dabei Krieg

das Neueste vom Tage

Aktuell am Zeitgeschehen

Sieger und Verlierer

auf der Fensterbank

betrachte die Nachbarn

Kommen und gehen

über alle Sender

was können wir noch sehen

was kann man uns noch zeigen

NEUES folgt nach

dem Testbild

mit Musik

das Wetter

 

 

 

GEMEINSAMER WORTWECHSEL

 

Siehst Du: die ganzen Jahre

in denen wir versuchten

gemeinsam Schritt zu halten

mit den übrigen Menschen

Haben wir kein Wort gewechselt

Kein Wort: jedenfalls kein solches Wort

was nicht führte zu einem weiteren

Schritt, der uns weiterführte

weiter in Gedanken und

in den Pfaden die vor uns

eingetreten von den Menschentieren

die uns vorangingen und

die noch Wussten –

die noch die Regeln kannten

vom Wissen das schon lange verbrannt

in Alexandria in Peking

unwiederbringlich verloren

so verloren wie wir

wenn wir nicht bald den Schritt finden

der uns weiterführt

Nur ein Schritt

der uns weiterführt

warte noch, mache nicht den

nächsten Schritt:

in den Abgrund

 

 

Literarischer  Ort

DICHTERGASSE

 

Im Inneren des Ortes

fern aller leeren Worte

stehen die Wände dichter.

 

Kann ein Wort entkommen?

Ein Vers, ein ganzer Satz: -

hinaustreten auf den Platz?

 

Aus allen Eingängen

betreten die Bilder die Ebene,

ziehen mit Rhythmus und Klang.

 

Die Stätte dieses heiligen Ortes

weiht der Dichtung eine Gasse.

Kein Wort bleibt Alleine!

NACHGEBURT

(Hommage an Franz V.)

 

Gehasste Liebe Den Nachgeburten

Verbrannt und weggeworfen in den Müll

den Tieren dort im Zoo zum Fraße hingeworfen

und um so sehr vermisst es fehlt

ein Teil von mir das ich’s vermiss

vom Leben nur ein Teil vom Tod

und doch so jäh entrissen wie ich

dem Mutterleib mit einer Spachtel ausgekratzt

 

Wohin bist du gegangen in der Frühe

Bruder oder soll ich sagen Schwester

hätt man zumindest dich mir eingepackt und beigegeben

und legte dann in Windeln fein

zu Hause dich in einen Reliquienschrein

so wie die Kirche es tat ein Leben lang

so schön auf einer schönen Bank

und auch ein Teil der Nabelschnur dabei

sollt nicht als Schlange weiterleben

um mir zu zeigen manchen Weg

An mancher Gabel angekommen wusste nicht wohin

 

Ihr sollt mich führen habt mir gefehlt

und bleibt mir lebenslang so groß

gehasste Liebe den Nachgeburten

verbrannt und weggeworfen in den Müll

und dann zum Himmel aufgestiegen

oder geradewegs in die Höll wohin ich folg

 

Ach, hätt ich euch doch hier bei mir

in mancher schweren Stunde Hilf

so könnte ich die falschen Wege mir ersparen

und hätt noch Zeit zum Beten

zum Lernen und zum Klagen von dies und das

 

Aber muss es nehmen wie es ist

den anderen will’s auch nit besser gehen

das Leben treibt sie so dahin

und können auch den Halt nicht finden

 

Es hilft wohl hier sehr wenig

wenn ich zeige wie ich leide

so bittre Qualen mich hier in Gedanken treiben

und all der weil den Lustigen spiele

der stets vergnügt dem nichts zu viel

wenn andere ebenso lustig und vergnügt

Anderen in die Tasche greifen

und haben dazu auch noch ihren Spaß

und sie sind auch doch nur ein Stück von denen

tragen sie denn nicht wie ich

gehasste Liebe den Nachgeburten

verbrannt und weggeworfen in den Müll

 

Auch ich hab einst gefeiert TRALALA

getanzt gesungen auf den Tischen

als ich die Nacht zum Tag gemacht

hab nicht gefragt ob du mir fehlst

vielleicht warst du auch nah dabei

hast selbst in manchem Bett gelegen

und konntest mir selber sagen

was gut und richtig sei

 

Doch wie war es damals aus dem Mutterleib

als wir so jäh getrennt

Es hat halt nicht sollen sein

und trotzdem grüß ich dich im nachhinein

so mach es gut man sieht sich sicher wieder

so dann wenn das Fleisch zum Fleische kommt

 

 

 

Riesenroter Mond der aufstieg

 

Riesenroter Mond der aufstieg

brennend mit leidenschaftlichen Küssen

begrüßt rotes Kalkweißgesicht pausbäckig

Kinderträume fliehen in glühende Himmel

Lila Kühe auf goldenen Wolken

Berge so flach wie Gedanken

und Meer so steil wie Wünsche

 

Sonne Mond und Sterne wahren Geheimnisse

im Nachtdunklen des Alls

so verliebt in träumende Galaxien

wie können wir die neuen Straßen finden

so zwischen den Gestirnen

bei welchem Stern kann man noch landen

mit Flöten auf den Lippen

 

Der Weg ist vorgezeichnet programmiert

die Erde reicht uns lang nicht mehr

wir greifen mit der Hand nach Sternen

und auch im Kopf schwirrt`s hin und her

und liegen doch auf unserer Wiese

die Blume steckt noch keck im Mund

wir bleiben wo wir sind

SCHÖNE KRIEGSBILDER

sind die blicke der menschen vergeblich gestorben

wenn sie trafen mit kameras stafeleien und bleistiften

kommentatoren des elends

war es das wert das sie stinken schreien starben

von hass fieber liebe und tod

vor unseren bildern die wir als erste bewahrten

 

bilder von amateuren des abenteuerurlaubs

bilder der skelette aus afrika

bilder der sexopfer aus asien

seht schaut die ansehnlichsten gewaltigsten bilder

bei häppchen und perlwein zu vernissagen

 

malen wir den sterbenden christus mit aller grausamkeit

auf die leinenwände der t-shirts

es ist nicht vergeblich gestorben worden

wie die skelette und die sexopfer

nicht vergeblich gestorben sind-: un-menschlich

 

in unseren augen-: die viel ertragen

morgen tanzen wir auf den schlachtfeldern

und die neuen tempel bauen wir auf den gräbern

 

wenn unsere augen am elend erstarren

erstarrt auch das unmenschliche

das schöne

 

 

Morgue

-Leichenschauhaus-

 

So kalt wenn draußen brennt das Licht

so drinnen tief das Leben bricht

die Kühlung lässt das starre Fleisch

nur noch notiert

sind allesamt gleich

 

so frostig geschlossen liegt im Lot

so still und ruhig weiht der Tod

den Frieden der nun eingetroffen

er geht vorbei

er lässt das Hoffen

 

so ist die Nacht wie Tag so hell

so wird der Wind von Nebel feucht

die Stille die den Atem löscht

sie greift die Hand

sie stärkt den Arm

 

so fühlt der Anfang noch das Ende

so weiß der Schluss wie es begann

das frühe Licht wirft weite Schatten

es ist vollbracht

lasst es geschehen

 

Still ein Blatt

 

Der Morgen beginnt

wacht auf Vögel singt:

mein Bruder Wels

schläft tief.

Wie ich die Sonne rief

fiel still ein Blatt

im Wind

sei stets gegrüßt,

mein Kind.

 

Ein Wort

 

Es schlug ein Meister

ein Wort in den Leib

Seine Injektion

treibt er fein

in die Ader des Blattes ein

nicht ohne Sinn kein Schrei

 

Es schlug ein Gärtner

ein Wort in das Feld

wie schnell es spross

das satte grün

Zum Winter wuchs ein weißer Baum

bis alles Gras darüber war

 

ADIEU

DEINE Hand, die eben ich noch hielt

die zogst du fort, für immer

gingst den letzten Weg alleine

 

Verzeih mir, vieles wollte ich noch sagen

vergessen ist das letzte böse Wort

doch das blieb stehen in der Welt

und ist noch nicht zurückgenommen

Dein letztes Wort: mach´s gut

das du mir gabst als letzten Gruß

gab ich zurück dir, als du schliefst

 

Ich weiß, nun bist du fort von hier

doch weiter trag ich dich in mir

und nimm dich mit durchs Leben

Am Gitter

 

Kunstmenschen wie wir

Beim Spielende

Glattrasiert und Schön

Fluchen den harten Tag

Verbittert am Gitter

Kennend die gleiche Wahrheit

Während wir alles Richtig machen

Wählen wir die Worte

Vor dem Altar

 

Einsamer Nie

 

Wie einsam und verlassen

so einsam hängt die volle Brust

und immer einsam stirbt die Lust

einmal lieben oder hassen

 

Einsam liegt der kalte Leich

doch so einsam ist die Reise

und im Kühlhaus ist es leise

noch so jung und Fell so weich

 

Versenkt im Hause wohnt ein Genie

sucht die Unzugängliche zu finden

Einsamer will die Einsame

in Irgendwer ständig in der Ecke

 

Für die Menschen sprechen

 

Für die Menschen sprechen  -

die Stimmen der Sprachlosen

der Stummen

die wortlosen Schweiger

wie die mundlosen Gesichter

 

für die Menschen sprechen –

die bodenlos am Abgrund stehenden

der Verlierer

die nicht über Wasser gehenden

stehen bis zum Hals im Fluss

 

für die Menschen sprechen –

als Sprecher der verfolgten

der Entleibten

aus Käfigen der Schädelgebeine

denen das Wort wortlos entzogen

 

Gewalt

 

Du und ich, wir beide

haben gelernt vom Reden und Schreiben

mit unserer Sprache zu zeichnen

 

Wir beide wissen von den Ansprüchen

wenn wir den Mund öffnen

können nicht: nicht antworten

 

wenn wir mit den Worten verwunden

mit unseren Zungen züchtigen

mit der infektiösen Rolle der Sprache

 

Wir verletzen die Ansprüche des Anderen

Wenn wir den Mund auftun

und uns der Schrei des Opfers verfolgt

 

Rechtfertigen mit unserem Schreiben

und begeben uns in Komplizenschaft

Wir trennen uns von den Barbaren

 

 

 

Plastikblumen

 

Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings

erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang

Das Auge schreibt die Textanalyse

ordnet die Teile des Erbrochenen

auf der Suche nach Sprache

zu gemachten Formen

 

Der Torso ist keine Natur

der Garten ist keine Kunst

Arkantus, Bärenklau und Lotus sind Formen

ein Bild heißt unzählige Worte

 

Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings

erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang

Das Auge hat notiert; das Auge hat fotografiert

und ohne die Nuancen -

am Ende ist der Mensch

der Mensch ist; mit seiner Kunst am Ende

 

so schaffen wir die Schöpfung neu

so schaffen wir die Kunst, der Schöpfung

und ohne Schöpfer schöpfen

uns selbst am Schopf aus dieser Schöpfung

 

Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings

erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang

was welkt, was erbricht

schön und erhaben, erhaben und schön

so stehen wir hier: und staunen

 

 

Stehe nicht

 

Ich steh am Abend

und höre nicht

Ich steh in der Nacht

und sehe nicht

Ich steh am Tag

und glaube nicht

Ich stehe im Traum

und weiß

 

Lege mich hin und schlafe.

In des Augen Blick

Wirklichkeitsgleichnis

 

Bewusstlos trat ich in den großen Raum und nehme Platz

Falle in die bequemen Sitze zum Träumen

Den Traum den ich durch einen Spalt betrat

Hab ich mit Neugier und mit Münze bezahlt

Schon erscheinen an den Wänden die flackernden Bilder

Steige ich sofort ein in die bewegten Bilder

Das Auge gebiert die Bilder sofort

Geblendet von der Schönheit der Realität

 

Nicht täuschend lassen erkenne ich den Raum

Es bleiben an den Wänden die wahren Bilder

Begreife ich die Realität meines Sitzplatzes

Und lasse Bilder an mir vorüberziehen

Mit allem Wissen meiner Wirklichkeiten

Verlasse ich nun den geschlossenen Raum

Und ist eins mit den objektiven Bildern

Die mich hinaustragen in meine Eigene Welt

 

Der Natur gegenüber bleibt der Gedanke dunkel

Täuschen wir uns nicht, spätestens wenn wir erkennen

Wenn wir nur den eigenen Leib erkennen

Und für immer schweigen könnten

 

 

Alte Stunden

 

Irgendwann

Wenn wir die alten Stunden und

das hermetische Poem

durchbrochen haben

zu entfliehenden Träumen der Realitäten

finden wir keine Titel für unsere Bilder

Wenn unsere Antitexte gebären

neue Begriffskräfte

Unsere Einbildungen sichtbar zu machen

Beginnen die neuen Zeiträume

Die Alten Reime gehen vorbei

Im Geschlossenen Verborgenbleiben

auch die junge Metapher von Morgen

Irgendwann ertrinkt der Hochgefluchte Tag im Nichts

- ich liebe jeden Tag der mir verflucht-

und wenn ich schrieb wie schön doch alles

ich glaub ich müsste mich erbrechen

 

Frag mich im August

 

Frag mich im August

Sommerende, im letzten Sonnenblick.

Ich war nie fort

wie Schnee und Eis

meine Haut im Sommerwind

Groß ist der Himmel im Goldfischglas

immer neue Inseln ohne Land

Frag mich im August

Das Gute ist so winzig

nur was Schlecht ist das bleibt groß.

Jede Pore stürmt

meine Haut im Sommerwind

Frag mich im August

ich war nie fort

und war einsam und allein unter den Menschen

Noch spurt der Sommer

Alles bleibt Erinnern

Frag mich im August

Wartend, wie Wind und Wolken

meine Haut im Sommerwind

Spiel ich noch einmal mit den Schlangen

und singe den bodenlosen Ton mit allen

Welche Nachricht bringt der Dornenvogel

an diesen Sommer, Nur Erinnern.

Frag mich im August

 

 

Himmelsworte

 

Gemalte Fensterscheiben scheinen

wie Himmelsworte bei Sonnenlicht

Spiegeln Töne auf Betbänken

 

Zeilenweise abzulesen

im goldenen Kirchenschiff

im Monstranzenschein

 

Gemalte Worte eingeschlossen

in gesegneten Tabernakeln

Betgedichte hermetische

 

Wehe, wehe

eins entkommt dem Kirchenraum

zur Kirchentür hinaus

 

Wie viele Kerzen müssten wir verbrennen

um ein entflohenes

zu bekehren

 

 

 

 

Hybride

 

Die weiße Orchidee ist eine Blume

ein Stern im Wasserglas

und Feuer brennen in den Tonnen

 

Hinter den regennassen Fenstern

tropfen die Schwarzweißbilder zerstört

und Glut brodelt in den Kratern

 

Die Liebe drängt zwischen den Phrasen

wie Blüten zwischen dem Fels

wie Schafe zwischen den Fronten

 

Die weiße Orchidee ist eine Blume

ein Stern im Wasserglas

der weint, wo längst keine Träne mehr

 

 

 

 

 

 

 

Hör noch

 

Nicht abzuschalten hören eure Ohren

Noch immer – Immerzu Noch

Ohren die alle Töne finden im Schneckenreich

Auch wenn die Worte

stumm und leer und still

 

So müssen alle Ohren weiterhören

Wenn sich die Augen schon

zum Schlaf gelegt

Wenn Flurnachbarn noch Feste feiern

Auch wer nicht will der hört noch mit

 

Kalt schlägt der Ton den Hammer Amboss

Auch wer nicht hören will der muss erlöschen

Wenn wir im Parlatorium noch Worte zählen

Hermetisch schließt das Totengedicht

 

 

 

 

 

Mediterranes

 

Verwässert sind die alten Quellen

Zu viele sind den alten Text durchfahren

und tranken von dem inneren Quell

der das Geflecht von neuem speist

 

Verdunkelt ist der alte Sternenhimmel

der stets die Ausfahrt und die Ankunft hat geleitet

den wir betrachtet schlafend am Olivenbaum

den Ort an dem die Fahrten wir geträumt

 

Es ist nicht leicht auf hoher See der Spur der Schiffe folgend

die gleiche Spur die sich in Räumen eingeschrieben

die neu durchmessen belichtet und erfahren

mit unseren Augenlichtern in die Wasser eingeritzt

 

 

 

 

 

Schönste Afrika

Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt

es brennt und brennt und brennt

mein makelvoller Körper

Dein Stolz mit wehendem Gewand wie

Erhaben führst du die Krone Afrikas sonnengleich

Bleib diese Nacht und auch die Anderen

Im Dunkel meines Herzens

werde ich weinen um dich

und früh die Milch von deinen Lippen trinken

 

Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt

Es brennt und brennt und brennt

Mein unheilbares Herz in Tränentrauer

Und dein gedeckter Tisch am fetten Busen

Wann werd ich ruhen noch dort schlafen

Die Schatten die dein Land bedeckt

In deinen Schenkeln werden sie Ruhe finden

Barfuss wie sie gekommen waren

 

Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt

Es brennt und brennt und brennt

Ich höre deine Trommelschläge rufen

Es ist viel Zeit vergangen zum Lernen

Von den Palmen die du einst gepflanzt

Fallen die Worte wie reife Nüsse

Es brennt jedes Zitat und schmerzt

Es ist dein eigener Kelch

Du schaffst dir selber deine Qualen

 

Süße Honigmilch

trinken und trinken und trinken

aus deinen schwarzen Kalebassen

die süße Honigmilch Afrikas

Am Morgen wenn wir uns treffen am Brunnen

Deine schwarze Haut und meine weiße Zunge

Schicke deine Kläffer zu den Kühen

 

trinken und trinken und trinken

aus deiner jungen schwarzen Milch

der süßen Quelle die mein Gedicht

Am Abend wenn du spielst das Spiel

werde ich schreien in die Nacht

bis der Panther lauscht

Dein Lächeln mit weiten Armen stillt den Kelch

 

trinken und trinken und trinken

aus deinen schwarzen Kalebassen

den öligen Saft deiner Haut

den Saft deiner süßen Frucht

Die reif ist wie dein duftender Körper

der meine Augenlichter jeden Tag versüßt

Ich werde die Schale holen schenk deinen Körper ein

 

 

Texte wachsen

 

Ich weiß nicht ob die Texte wachsen

Ich weiß nicht ob die Blätter nachgeboren

werden, gerade aus der Pflanze wachsen

wie leer ist doch ein Blatt und aderlos

 

Im Schriftraum steht der Text. Auf einem Fensterbrett.

Und wie am Brunnen treibt der Text mir aus dem Ohr

Der Akt des Schreibens ist mir manchmal peinlich

Wenn mir so nackt und ohne Wort vor leerem Blatt

das ich so bilderlos beschreibe. Es fehlt.

 

Es reicht nicht an das heilige Wort heran

vor dem die Heiden niederknien, erstaunt.

Im Spiegel bist du mir so nah wie unberührbar

höre ich dich nicht und kann dich nicht verstehen

Nur meinen Text im Spiegelbild. Der bleibt.

Was der Toten Gedichte

 

und trete ich doch in dieses land

das so rein so rein wie klares Wasser sei

was soll ich Gedichte schreiben für die LEBENDEN

 

die lebenden haben doch ohnehin keine zeit

nur die toten sind noch an Gedichten interessiert

die toten nehmen sich noch zeit

aus dunklen Augenhöhlen entziffern sie Zeichen

und tragen ihre Schatten zur Kunst

 

und tret ich doch in dieses Land

das so rein so rein wie klares Wasser sei

tief in die dunkelsten Gräber hinab zum Feierabend

nur dort kommen die besten Gedichte zusammen

lassen wir sie laut lesen wie es unsere Väter taten

und aus den tiefen hören wir die stimmen

die unsere Gedichte rezitieren mit Fleiß

 

und tret ich doch in dieses land

das so rein so rein wie klares Wasser sei

was soll ich Gedichte schreiben für die lebenden

 

CIELO himmelsblau

 

 

Ich habe diesen Himmel mir nicht ausgesucht

den ewig hohen den unendlich blauen

Es sind schon viele aufgefahren

und kamen nicht zurück

und auch die untergingen fielen tief.

 

Wer sucht schon selbst den Himmel aus

der ständig weint und brüllt

und wenn er schlägt mit seinem Zorn

Wohin soll ich mich wenden ohne Ort?

 

 

Nur an den Straßen gibt es Halt

doch warten wir doch vergebens oft

Bewegen uns am gleichen Platz ein Leben lang.

 

Ich bin nicht unter diesem Himmel

Ich bin nicht unter diesem Blau

Ich bin ein Stern wie alle dort hochfern

 

DVORAK Messe in D

 

Vom Kyrie Eleison bis Pacem

klagen wir betrübt das Göttliche

in die blühenden Töne

 

Weiterblättern zwischen Dornen

Schöpfen den Fluss

die harten Balken zu tränken

Wie schön die alte Orgel erblüht.

 

Im Segen des Gesangs steigen die Töne

Zwischen den Zeilen

Es fließt ein Bächlein zum rasenden Strom

Lasst noch einmal klingen MOLL

 

Wenn aber die Glocken läuten

in den Himmeln des Agnus Dei

Fallen Menschen auf die Knie.

Wie Engelschweben

 

Es ist kein Ton zuviel im Raum

Klagen wir betrübt das Göttliche

in die blühenden Töne.

 

 

 

Fraglos

 

 

Fraglos – Fraglos die

stummen Zeiten still

und wortlos

keine Antwort

 

Ungefragte Fraglos -

Stille, Atemräume

Fragloshauch im

Kältenebel sichtbar

Kein Ton atmet, Atemlos

ein und aus im Stimmenhauch

nur Gurgeln, Stammeln,

Stimmlos – Stimmlos

Fraglos

 

 

 

 

Kämest du wieder

 

Kämest du wieder weiße Wolke eines Tages

die von Westen nach Osten fliegt

Kämest du wieder eines schönen Tages ohne zu wissen

im frühen September eines schönen Tages

 

Weiße Wolke kämest du wieder an diesem schönen

unendlichen Tag so weiß wie heute jetzt himmelhoch

Wie du vorbeiflogst mit Brüdern und Schwestern

Erzähle mir vom Gras von Sand vom Meer

 

Kämest du einmal zurück und erzählst eines Tages

du triffst mich hier wie immer wenn ich nach oben schaue

ziehst du vorüber im weißen Kleid deiner Unschuld

 

Ich werde Trauer tragen und Blut wenn du wiederkommst

und nie mehr gehen von diesem Platz

Mein Herz stand über dir es war die Sonne

 

Narrativ - kennt jeder

 

Narrativ

der Kulturkreis –

kennt jeder

das Allgemeine

das Erzählerische Wissen –

kennt jeder

aber

das wissenschaftliche

Wissen

das Wissenschaftliche,

beschäftigt die Mathematik

Zusammenhänge der Natur

theoretisch

sehr  theoretisch :

- kennt jeder

 

 

 

 

 

Kindergarten  1953

 

Die kleinen Klapperschlangen spielten

hinter dem Strich der Reformation

Wir aber trugen Hirschleder

ohne wenn und aber

 

alles mit Jesulein und Ave Maria

gab’s Prügel auf dem Schulhof

hinter der Linie

bis aufs Blut

 

Viel Schlimmeres

Prügelstöcke nach verlorenem Krieg

das Schlimmste -:

Kakaogeld vergessen

alles Jesulein und Ave Maria

wenn sich die Klapperschlangen drehten

gab’s Nachsitzen

Kein Vergnügen

Selbst Spielen war Ernst

 

Aber heute noch sehe ich wie

die kleinen Klapperschlangen spielten

 

Leser

 

Wir, die Lesenden, kennen die Welt

die verkehrte Welt

nur aus unseren Büchern.

Wir, lesen doch mit beiden Augen

und leben doch in anderen Welten.

Wenn ich die Türen öffne – STAUNEN

 

Wir, die Lesenden, kennen die Welt

nur von den Hörenden

erfahren sie

vergänglich und flüchtig

teilen wir uns alles mit

Was schon immer doppelt vorhanden

 

Wir, die Lesenden, kennen die Welt

Hier, nicht ohne den Unterschied

Wann und wo wir hinausgehen

von Innen nach Außen

entsteigt unser Gedicht

Dunkel dem Licht

 

 

Liebe, du weißt....

 

mein Herz fiel, noch ehe es geöffnet

brennt nun auf kaltem Marmor

der in der Röte wunder Rosen

mein Herz tötet, noch ehe es spricht.

 

mein Herz zerfloss ehe es geschöpft,

fließt nun hinauf in die Schöße

der sich ewig Liebenden

Mein Herz ertrinkt, ehe es geatmet

 

 

Wo sind die Töne die erklangen

in der Nacht, am heraufbeschwörten Tag

als wir uns liebten,

 

Wo sind die Schreie die erklangen

in der Nacht, am heraufbeschwörten Tag

als unsere Liebe entbrannte. Du weißt.

 

 

 

 

 

 

Meiner Schreibe

 

Der Himmel deckt sich über meinen weißen Schlaf

Du, schreibst in diesen Gedanken dir

Dein Wort unter unserem Himmel.

Komm, komm, hilf mir den Text verschieben

 

Der Himmel deckt sich über meinen weißen Schlaf

Dir gefällt nicht dieser Text der dich beschreibt

Du glaubst mir das er unbedeutend

und sich entfaltet so wie du am Abend

 

Ach, wenn ich tot bin werd ich Weiterschreiben

Wort für Wort und Wort

wird meine Zunge deine Reden schreiben

 

Ach wenn ich tot bin werd ich Weiterschreiben

Wort für Wort und Wort

und meine gebrochenen Augen von dir lesen.

 

 

 

 

Scheinheilig vergangen

 

Ich fühle die Worte nicht

es ist kein Gefühl für Sätze

weiche und narbte Worte

stoßen sich ab

 

Wie Wasser von herzem Stein

Wie Wasser von Blau, Genau

 

Ich fühle die Worte nicht

im immer Stromauf - Lachsgleich

 

die Worte zu Götterhöhe,

Trinke auf halbem Wege

aus dem bitteren Brunnen - scheinheilig

 

Ich fühle die Worte nicht

es ist kein Gefühl für Sätze

bei den Quellen vergangen

 

 

 

 

 

 

Schöpfungsstunde

 

 

Nun kommt die Stunde

in der die Worte aufgestiegen

heraufgeworfen

waren da,

wo vorher nichts

von ihnen war

 

Doch,

als der Dämmerzustand

endete

Da war ich leer und hungernd,

taumelnd

 

 

 

 

 

 

 

Unvergleichlich

-                    mit Roger Willemsen und

Benjamin von Stuckrad-Barre -

 

Alles unvergleichlich wie man nachsagt

aber was soll´s?

Alles unvergleichlich

Nicht mit diesem Roger Willemsen

und auch nicht mit Benjamin von Stuckrad – Barre

Kein Vergleich

alles unter den Schein

Werfern, Glücklos, trostlos, langweilig

Wir haben uns nie geliebt

Niemals

aber unser Publikum lacht

über alles über jeden über all

wie über den Clown der sich bald

den Hals bricht.

alles unvergleichlich wie man nachsagt,

aber was soll´s?

Alles über Allem wird schwer und

Alles wird schwer über uns

Nicht mit diesem Roger Willemsen

und auch nicht mit Benjamin von Stuckrad – Barre

vergleichbar

vielleicht zwischen den Zeilen

vielleicht zwischen den Worten

vielleicht auf der Mitte des Weges

alles was Menschenmöglich

von den Ursprüngen der Geschichten

bis zu deren Sterbebetten

Alles Unvergleichlich

Unvergleichlich

 

Würgen

 

Alles empirisch,

Schicht um Schicht

Millionen

fruchtbare und furchtbare Jahre

Mit dem Abgrund fängt`s an:

Tiefschlafschichten

Versunken – Hocharbeiten ins REM

Wende der Zeiten

 

Friedensfürsten bis zur Grasnabe

Von Unten.

Unerreichbar unterm Himmelsblau

 

Heilsam; den Schwarzwald sehen?

Schinderhütte

Knüppelpfade zu Einsiedeleien

Anspruch und Ungesprochen

ungelöste feuchte

Herzen

 

Aachen, Am Hof

 

EISZEIT, kalte Brüste

schwülheißer Hintern

überall Pflaster

 

Chic auf Alt

Von Römerbad bis Domkeller

Nur kein Verkehr

Fühlt ihr es auch wie wir

 

Ihr Klingeltöne

 

Ihr zerstörten Freizeitler

Ihr Schleckermäuler schokoladenhäutige

ihr Liebhaber des edlen Gerstensaftes

 

 

 

 

 

 

Du liest mein Gedicht

 

Du liest

du liest mein Gedicht

du liest noch einmal mein Gedicht

du schweigst, liest noch einmal

dein Auge tränt über deine Wangen

das Gedicht ist leicht folglich so schwer

und dir bekannt wie dir der Text

es bleibt still während du

jeden Buchstaben neu betrachtest

kein Wort zu wenig kein Wort zu viel

Mein Herz wird schwer ich gehe

und heute fast ein Jahr vergangen

Du liest

du liest mein Gedicht

du liest mein Gedicht noch immer

Ich aber seufze!

 

 

 

 

EISKALT

 

Eiskalt dieses Leben

unerkannt

bleiben Illusion und Glaube

Viele Schichten von Geschichten

zur Geschichte

Vom Ursprung zur Distanz

 

Beugen wir uns noch

an der Quelle trinkend

von Erinnerungen

Ursprünglich von tiefem Grund

Geburten folgend

ohne Eingriff, ohne Götter

Neuen Bedeutungsschichten

 

Der schöne Krug

den wir zur Quelle trugen

nur gibt Kraft weiter zu leben

 

Es ist der Quell der unter vielen

unentdeckten Schichten

unzerstörbar weiterfließt

ungetrübt noch mit sich selber spielt

Ich tauche auf aus meinen Niemandsschichten

 

Ich tauche auf aus meinen Niemandsschichten

Ich tauche auf aus Herz und Kopf

alles was mir noch fehlt

drei, zwei, eins – meins

Was ich mir nicht kaufen kann

dies bisschen Verstand

was ich mir nicht kaufen kann

dies bisschen Liebe

was ich mir nicht kaufen kann

das zwischen dir und mir

das was wir „mitmenschlich“ nennen

In meinem Elternhaus hingen keine toten Schweine

wurde auch kein Krieg gespielt

alles bürgerlich, alles spießig

Ich tauche auf aus den Niemandsschichten

Ich tauche auf aus Herz und Kopf

all diese Krankheiten auf der Haut

mit Worten zuschmieren wie mit Salben

diese syphillistischen Krankheiten

des Genius Poetica zwischen uns

immer neu infizierend

Landschaften zwischen Erzählenden und Hörer

unter dem Mikroskop – Monaden –

Schichten um Schichten alles Geschichten

Verstand, Liebe und Mitmenschlichkeit

alles Leichenschauhaus, alles pathologisch

 

 

Nahe dem Ufer liegt die Droste im Grase

Nahe dem Ufer liegt die Droste im Grase

aus trunkenen Quellen ein Schöpfungsschrei

aber

alles so Dicht, Gipfel und Wolken

nicht Pfarrer Oberlin und Dichter Lenz im Steinthale

in wahnsinnigen drei Wochen, o Ideale

 

Aus verachteter Natur

werden Menschen zu Holzpuppen.

Ist dieser Himmel schöner als die Welt?

Zum Leben das Leben, mit Fleisch und Blut.

 

Soviel zwischen Tal und Himmel.

Graue Wolken mal unten mal oben.

 

Escape ins All, schmerzhaft den Kopf im Moos

aus trunkenen Quellen ein Schöpfungsschrei

Innen geplagt und zerrissen in Depressionen

kein Außen. Leere Mitte, nichts anderes.

 

Bewusstlos vor all den Träumen erscheinen

denkbare Bilder; nicht mir, nicht dir

Ein phalerae für das Heer der aqulifai

aber alles so dicht, mal unten, mal oben

 

Leere, vollkommene Leere - in der Mitte.

Rechts und links saugen die Ränder ins Zentrum

doch dies ist wieder eine andere Geschichte

keine Nänie für Frühgeburten

Aus trunkenen Quellen ein Schöpfungsschrei.

 

Noch richtet sich die Welt nach meinen Worten

Alles hat doppelte Bedeutung und Kontinuität

Nichts war und nichts wird sein

Verkünden ewig wiederkehrend die Wellen

 

 

 

 

NICHTS

 

Unschlagbar harte Worte in Urgestein

Ihr steht am Fuß der Schichten

nach dem Schritt am Bodengrund

kein Echo – kein Wort

Schichten und am Anfang Himmel

Allein, Einsam und Allein

mit dem Selbst

mit dem Handgriff den Faden finden

bleibt: NICHTS

zwischen Muschelkalksandschichten

längst verschwundener Meere

wie wir verschwunden

Unschlagbar harte Worte in Urgestein

kein Münchhausen zieht es selbst

bis die See kommt und aufschwemmt

bleibt: NICHTS

Tonlos in den Schichten in Urgestein

hören, Noch den Knall

der Entstehung dieser Welt

 

 

 

 

Nur im harten Sturmwind

stehe ich fest

 

Nur im harten Sturmwind

stehe ich fest

Nur im harten Anflug der Worte an der Klippe

mit meinen Flügeln

befestigt mit Bienenwachs

Wachsworte in eurem Mund

Schmelzen wie Schaum

Schäumen wie Schmelz

Mund voller Wachsworte

Von dieser Klippe

Sonnenaufgang, Sonnenuntergang

aushalten verblendet

über der Mitte von Wasserhimmelblau

Nur im harten Sturmwind stehe ich fest

Nur im harten Anflug der Worte

an der Klippe

Zerstört und ruiniert

mit der Suche nach dem Poeten

 

 

 

 

Warum du

 

Warum du

sprichst noch diese Wälder auf die See an

alle Götter sind verschwunden so wie du

 

Allein du

Gestern noch, ging einer übers Meer

Verbannt ist von Augustus nach Thomae

so ins Antiparadies der Gegenwart Berlin

die Sprache

 

Wirklich, diese haben alle ja so Recht

aber sie meinen es nicht echt

diese Frage sei mir erlaubt

 

Keiner, keiner, Nein nicht einer

nichteinmal wir selbst am allerwenigsten

Wenn wir das Alles vorher gewusst hätten

 

 

 

 

 

28.3.10 22:16, kommentieren

Teil I

 

 

Gedicht an Niemand

Die Muse schweigt

Die tritt vor das Gedicht

Deckt mit ihrem Schleier

Tanzt im Rausch

Entflieht dem Keim

Und steht am Abgrund… vor der Wurzel

 

 

 

 

 

 

 

Die leeren Blätter

 

Die leeren Blätter,

Werden wir sie jemals beschreiben?

Die leeren Leinwände,

Werden wir sie füllen?

Werden wir die Felsen sprengen,

Um uns aus Ihnen unser Bild zu meißeln?

 

Den letzten Baum?

Werden wir ihn umholzen?

Aus ihm einen Tisch schnitzen, oder ein Kreuz?

Wenn wir endlich dem Wahnsinn verfallen sind.

Wenn wir unser Genie überwunden,

Sind alle Blätter beschrieben,

Alle Leinwände bemalt,

Alle Felsen gemeißelt und alle Hölzer geschnitzt.

Dann werden wir nur noch unsere Werke signieren.

Und unsere Zeichen in die Welt senden: gezeichnet

Und unsere Unterschrift hinzufügen,

Auf leere Blätter,

Auf leere Leinwände,

Wie Verliebte in Bäume ritzen und

Wie unsere Vorfahren auf Felsen spucken.

 

Nur unsere Unterschrift.

Das wird alles sein was uns ausmacht.

 

 

 

 

 

Anleitung:  wie ich dichte.

 

ich such den Punkt an meiner Stirn

und denk dahinter wäre Gehirn

dann meditier ich, schließ die Lider

und find mich bei den Füßen wieder

fängt die Erde an zu beben

entsteht um mir neues Leben

plötzlich wird mir eisig kalt

ein Pflänzelein

 dringt durch den Asphalt

ich stehe da von allen Sinnen

und das Dichten kann beginnen

Eins, Zwei, Drei, ein kleiner Keim

dieses war der erste Reim

ob ich stehe oder sitz

warte auf den Geistesblitz

so als würde es gleich kommen

wird es wieder weggenommen

versuch es doch mal aus dem Bauch

glaube manchmal das geht auch

plötzlich hab ich es erfasst

und freue mich dass alles passt

mir kommt nur etwas in den Sinn

und alles weitere fließt dahin

ich stehe da als Geistes Wesen

und bin bereit es vorzulesen.

 

 

 

Augenblick

 

Die Kunst bewahre ich im Auge

Das ich ausreiße

Für die Musik der Realität

Und Wirklichkeit.

 

Die Schatten der leeren Flächen

Signiere ich.

Den Augenblick

Im Namen der Kunst.

 

Wenn keiner kommt

Und alles abgehängt

Öffne ich die Tore

Der Tempel, für alle Staunenden.

 

 

 

DAS FRISCHE JAHR

 

so nah kommt schon die Zeit

so nah zum greifen bald

das vertraute Jahr ist fast schon kalt

die Hand die ausgedehnt

die Hand trägt schwarze Stätten

das Glied ist krumm von Gicht und weist

 

den Fuß der kaum gesetzt voran

den letzten Schritt der jetzt noch fehlt

berühren das Alte abzuschließen

der Schwung hat den Scheitel schon gereckt

der kleine Schopf bereit und auch das Maul

noch los zu schreien ehe das frische Jahr eröffnet

 

nur ein paar Augenblicke noch

nur ab und an ein lauter Knall

die Luft ist zum Erbrechen Klar

dem gewohnten Jahr fehlt jedes Haar

dem vertrauten Jahr fehlt jeder Zahn

und tief geneigt drängt es zum Schluss

 

die Zeit sie brennt nun stillzustehen

die Zeit drängt immer fortzuschreiten

das frische Jahr es wartet nicht

das neue Jahr es steht schon klar

das frische Jahr klatscht einfach ab

Cool Alter,, und frohes frisches Jahr “.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ENDE der Harmonien

 

Bild der Stille

Schreibt dunkel

Den Ton

Auf fallende Herbstblätter

Die schreien in Trommelfelle

Bevor sie das Moos ergreifen.

 

Und der Wald erzittert.

Ohne Grund fliehen Tiere wild,

Gestört in Städte,

In vergitterte Räume der Menagerien

In Museen der Angst.

 

Ohne Tänzer und ohne Strom

Erbleichen Bilder unter Sonnenlicht.

Beenden die erloschenen Projektoren

Die Vorführung.

 

 

 

 

 

Schwarze Augen

 

Schwarz und abgrundtief

Entdeckt von rätselhaften Lichtern

Siehst du die Rast ohne Heimat unvergleichlich.

 

See der leer vom dunklen Harz genommen 

Noch tiefer du je in dich gestaunt

Ersehnend atmest du die tiefe Gunst.

 

Erblickt wird nicht das Herzweh

Noch das Blut des wilden Pferdes

Nicht brennendes Feuer das niemals verlöscht.

 

Licht aus Süden kannst du durchschauen

In tanzenden Augen voll Flamenco

Und Tarantella.

Wo Blicke verwunden sticht

Dein Blick den Tod.

 

 

 

 

 

 

 

Spiegelbild

 

Sehe

Im Fenster

Ein verkehrtes Bild

Und beobachte

Durch Glas und Unbild

Getrennt vom

Davor, bestimmt

Nichts anderes

Als Ich;

Fühle,

Stille

Dazwischen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trennung

 

Erblicke

Im Fenster

Ein Spiegelbild

Und sehe

Durch Glas

Und Spiegelbild

Getrennt vom

Davor

Tatsächlich nichts

Anderes

Als ich berühre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tango

 

 

Tango tanz ich mit mir selber.

Der Geiger stimmt den ersten Ton.

Die Dame wartet auf den Einsatz

Der Boden wurde frisch gebohnert

Und vom Plafond kracht blank der Lüster.

 

So tanz ich; als wär´s der Letzte.

Ein kurzer Augenblick;

Sie führt, ich stech.

Gib mir noch ein paar Sekunden

Es eine Ewigkeit zu kosten.

 

Der Tango ist schon lang getanzt

Ich steh auf und geh zum Fenster.

Den schweren Samt reiß ich, zur Seite!

Und lass das Licht allein dem Saal.

 

 

 

TÖDLICHER FRIEDEN

 

tödlicher Frieden der tauben Panzer

die rollen und rollen

nicht wissend wohin noch woher

 

und in den Straßen

und auf den Plätzen

spielen die Kinder der Landser

mit Holzpferden und Steinkreuzen

 

die Armen und die Doofen sind geblieben

die Anderen zog es zum Meer

wo man den Horizont noch sieht

den Horizont der einem so fehlt

 

ihr Lacher lacht noch lächerlicher

glaubt weil ihr im Blut gebadet

ganz getaucht in schwarzem Blut

ihr wäret unverwundbar wunderbar

 

hört ihr nicht die Wellen rufen singend

seht ihr nicht die Wälder brennen fressend

warum schweiget ihr noch

die Natur wird’s richten meint ihr hinrichten

 

 

 

Zeiten

 

Der Morgen war

Wo der Frühling

Sang am Mittag

Lebte es

Den Sommer - Tanz

Kein Abend

Weiß schon

Was Herbst vermag

Die Nacht ist still,

Allein im Winter – erinnert –

Der Schlaf:

Erträumt den Tod,

Voraus.

 

 

 

 

 

 

 

 

AUS SCHMERZ

 

schwarze Tulpen auf weißem Grund

schreien aus dem rahmenlosen Bild

aus Schmerz der gebärenden Welt

schattenlos werfen sie graue Blätter

auf das leichenweiße Tuch

über dem Abgrund

des Tischrandes hinaus

 

mich ekelt

die Schlange frisst sich

aus Schmerz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mythos von Sisyphos

-                   der wahre philosophische Akt –

 

 

Leichte Todsünde im Schatten

Des Lebens das wert ist

Zu leben oder nicht

 

Den Rock´n Roll zu hassen

Der Lust des Wahns

Einmal das Fruchtwasser zu durchschwimmen

 

Und an das ENDE zu kommen

 

 

 

 

 

 

 

 

Schrei den Tod vom Leib

Der Schrei der tiefer

sitzt noch als die Brust

so tief im Genitalbereich

mit einer Hand

 

die Andere fortgestreckt

die Hilfe greifend

wo Hilfe die nicht da

weil es allein im Schmerz

 

den Kopf zum Nacken

eingeknickt und hoch

so vor der Brust zum Hals

die Adern schwellen

Gesicht verzerrt

die hübschen Augen fest geschlossen

die Haare wild und wirr

die Nase mittendrin

 

der Schmerz sitzt fest

und will und muss

heraus und mit ihm

alles Gedärm

und Herz und Leber

Lunge Nieren Magen

nicht vergessen alles

was dazu und drin

wo nur der Klagejammer

kann nicht kommen

lautloser Aufschrei

aus Weitgerissenem Maul

 

das weit genug

die ganze Erde auszuspeien

auf ein einziges Mal

obgleich es geht doch nicht

 

denn nichts geschieht

und keine Hilfe naht

armer Mensch in seiner Not

ach wäre er doch

 

o Herr vergib Maria hilf

wie weh ist uns

schrei nicht und bleib

die Hände zu Kreuz

 

gewinkelt noch

vor seinem Busen offenleer

so schreit es hier

den Tod vom Leib

 

 

WEINEN DER LEIDENDEN SONNE

 

Weinen der leidenden Sonne

Halten wir nicht mehr auf

Es streifen ihre Tränen

Noch immer unsere inneren Schichten

 

Weint sich bedeutungsvolle Löcher

In ihr ausgefülltes goldenes Gesicht

Es gibt keine Worte für Dichter

Zu trösten und ihr Leiden zu hindern

 

Unzählbare Horizonte unter gläsernem Himmel

Sandwüsten inmitten sengender Hitze

Laden die Sonne auf die Postkarten

Unmöglich alle ohne Leiden zu beschreiben

 

Weinen der altersschwachen Sonne

Halten wir nicht mehr auf

Wie tief geht noch unsere Trauer

Wenn wir uns nicht mehr offen zeigen

 

 

BLUTENDE LEIDEN PASSION

In Ansicht des Blutes

rücken wir enger zusammen

öffnen die Wasserhähne

spülen das Blut in die Abflüsse

Die offenen Wunden können wir nicht stillen

die Zeichen der Stigmata nicht verbinden

aus den Augen fließt das Blut

die Hände und Füße schmerzen

Kriege brennen sich in unser Fleisch

bei jedem Wetter kämpfen die Einzelnen

von hohen Bergen überblicken wir alles

und erhalten die neuen Gebote

In Ansicht des Blutes

rücken wir enger zusammen

wir nehmen jedes Opfer an

auch das Blut aller Bäume

Die geköpften Hähne

die zerrissenen Tauben

die geknickten Zweige

bluten für den Frieden

ohne das blutende Leiden

fehlen uns die Symbole

die uns als Menschen

Zusammen führen im Blut!

FERN SEH WELT

 

Hänge am Fenster zur Welt

die mir berichtet

Rund um die Uhr

mit Werbeunterbrechung

so fern zu sehen

höre vom Neuesten

aus aller Welt

immer dabei Krieg

das Neueste vom Tage

Aktuell am Zeitgeschehen

Sieger und Verlierer

auf der Fensterbank

betrachte die Nachbarn

Kommen und gehen

über alle Sender

was können wir noch sehen

was kann man uns noch zeigen

NEUES folgt nach

dem Testbild

mit Musik

das Wetter

 

 

 

GEMEINSAMER WORTWECHSEL

 

Siehst Du: die ganzen Jahre

in denen wir versuchten

gemeinsam Schritt zu halten

mit den übrigen Menschen

Haben wir kein Wort gewechselt

Kein Wort: jedenfalls kein solches Wort

was nicht führte zu einem weiteren

Schritt, der uns weiterführte

weiter in Gedanken und

in den Pfaden die vor uns

eingetreten von den Menschentieren

die uns vorangingen und

die noch Wussten –

die noch die Regeln kannten

vom Wissen das schon lange verbrannt

in Alexandria in Peking

unwiederbringlich verloren

so verloren wie wir

wenn wir nicht bald den Schritt finden

der uns weiterführt

Nur ein Schritt

der uns weiterführt

warte noch, mache nicht den

nächsten Schritt:

in den Abgrund

 

 

Literarischer  Ort

DICHTERGASSE

 

Im Inneren des Ortes

fern aller leeren Worte

stehen die Wände dichter.

 

Kann ein Wort entkommen?

Ein Vers, ein ganzer Satz: -

hinaustreten auf den Platz?

 

Aus allen Eingängen

betreten die Bilder die Ebene,

ziehen mit Rhythmus und Klang.

 

Die Stätte dieses heiligen Ortes

weiht der Dichtung eine Gasse.

Kein Wort bleibt Alleine!

NACHGEBURT

(Hommage an Franz V.)

 

Gehasste Liebe Den Nachgeburten

Verbrannt und weggeworfen in den Müll

den Tieren dort im Zoo zum Fraße hingeworfen

und um so sehr vermisst es fehlt

ein Teil von mir das ich’s vermiss

vom Leben nur ein Teil vom Tod

und doch so jäh entrissen wie ich

dem Mutterleib mit einer Spachtel ausgekratzt

 

Wohin bist du gegangen in der Frühe

Bruder oder soll ich sagen Schwester

hätt man zumindest dich mir eingepackt und beigegeben

und legte dann in Windeln fein

zu Hause dich in einen Reliquienschrein

so wie die Kirche es tat ein Leben lang

so schön auf einer schönen Bank

und auch ein Teil der Nabelschnur dabei

sollt nicht als Schlange weiterleben

um mir zu zeigen manchen Weg

An mancher Gabel angekommen wusste nicht wohin

 

Ihr sollt mich führen habt mir gefehlt

und bleibt mir lebenslang so groß

gehasste Liebe den Nachgeburten

verbrannt und weggeworfen in den Müll

und dann zum Himmel aufgestiegen

oder geradewegs in die Höll wohin ich folg

 

Ach, hätt ich euch doch hier bei mir

in mancher schweren Stunde Hilf

so könnte ich die falschen Wege mir ersparen

und hätt noch Zeit zum Beten

zum Lernen und zum Klagen von dies und das

 

Aber muss es nehmen wie es ist

den anderen will’s auch nit besser gehen

das Leben treibt sie so dahin

und können auch den Halt nicht finden

 

Es hilft wohl hier sehr wenig

wenn ich zeige wie ich leide

so bittre Qualen mich hier in Gedanken treiben

und all der weil den Lustigen spiele

der stets vergnügt dem nichts zu viel

wenn andere ebenso lustig und vergnügt

Anderen in die Tasche greifen

und haben dazu auch noch ihren Spaß

und sie sind auch doch nur ein Stück von denen

tragen sie denn nicht wie ich

gehasste Liebe den Nachgeburten

verbrannt und weggeworfen in den Müll

 

Auch ich hab einst gefeiert TRALALA

getanzt gesungen auf den Tischen

als ich die Nacht zum Tag gemacht

hab nicht gefragt ob du mir fehlst

vielleicht warst du auch nah dabei

hast selbst in manchem Bett gelegen

und konntest mir selber sagen

was gut und richtig sei

 

Doch wie war es damals aus dem Mutterleib

als wir so jäh getrennt

Es hat halt nicht sollen sein

und trotzdem grüß ich dich im nachhinein

so mach es gut man sieht sich sicher wieder

so dann wenn das Fleisch zum Fleische kommt

 

 

 

Riesenroter Mond der aufstieg

 

Riesenroter Mond der aufstieg

brennend mit leidenschaftlichen Küssen

begrüßt rotes Kalkweißgesicht pausbäckig

Kinderträume fliehen in glühende Himmel

Lila Kühe auf goldenen Wolken

Berge so flach wie Gedanken

und Meer so steil wie Wünsche

 

Sonne Mond und Sterne wahren Geheimnisse

im Nachtdunklen des Alls

so verliebt in träumende Galaxien

wie können wir die neuen Straßen finden

so zwischen den Gestirnen

bei welchem Stern kann man noch landen

mit Flöten auf den Lippen

 

Der Weg ist vorgezeichnet programmiert

die Erde reicht uns lang nicht mehr

wir greifen mit der Hand nach Sternen

und auch im Kopf schwirrt`s hin und her

und liegen doch auf unserer Wiese

die Blume steckt noch keck im Mund

wir bleiben wo wir sind

SCHÖNE KRIEGSBILDER

sind die blicke der menschen vergeblich gestorben

wenn sie trafen mit kameras stafeleien und bleistiften

kommentatoren des elends

war es das wert das sie stinken schreien starben

von hass fieber liebe und tod

vor unseren bildern die wir als erste bewahrten

 

bilder von amateuren des abenteuerurlaubs

bilder der skelette aus afrika

bilder der sexopfer aus asien

seht schaut die ansehnlichsten gewaltigsten bilder

bei häppchen und perlwein zu vernissagen

 

malen wir den sterbenden christus mit aller grausamkeit

auf die leinenwände der t-shirts

es ist nicht vergeblich gestorben worden

wie die skelette und die sexopfer

nicht vergeblich gestorben sind-: un-menschlich

 

in unseren augen-: die viel ertragen

morgen tanzen wir auf den schlachtfeldern

und die neuen tempel bauen wir auf den gräbern

 

wenn unsere augen am elend erstarren

erstarrt auch das unmenschliche

das schöne

 

 

Morgue

-Leichenschauhaus-

 

So kalt wenn draußen brennt das Licht

so drinnen tief das Leben bricht

die Kühlung lässt das starre Fleisch

nur noch notiert

sind allesamt gleich

 

so frostig geschlossen liegt im Lot

so still und ruhig weiht der Tod

den Frieden der nun eingetroffen

er geht vorbei

er lässt das Hoffen

 

so ist die Nacht wie Tag so hell

so wird der Wind von Nebel feucht

die Stille die den Atem löscht

sie greift die Hand

sie stärkt den Arm

 

so fühlt der Anfang noch das Ende

so weiß der Schluss wie es begann

das frühe Licht wirft weite Schatten

es ist vollbracht

lasst es geschehen

 

Still ein Blatt

 

Der Morgen beginnt

wacht auf Vögel singt:

mein Bruder Wels

schläft tief.

Wie ich die Sonne rief

fiel still ein Blatt

im Wind

sei stets gegrüßt,

mein Kind.

 

Ein Wort

 

Es schlug ein Meister

ein Wort in den Leib

Seine Injektion

treibt er fein

in die Ader des Blattes ein

nicht ohne Sinn kein Schrei

 

Es schlug ein Gärtner

ein Wort in das Feld

wie schnell es spross

das satte grün

Zum Winter wuchs ein weißer Baum

bis alles Gras darüber war

 

ADIEU

DEINE Hand, die eben ich noch hielt

die zogst du fort, für immer

gingst den letzten Weg alleine

 

Verzeih mir, vieles wollte ich noch sagen

vergessen ist das letzte böse Wort

doch das blieb stehen in der Welt

und ist noch nicht zurückgenommen

Dein letztes Wort: mach´s gut

das du mir gabst als letzten Gruß

gab ich zurück dir, als du schliefst

 

Ich weiß, nun bist du fort von hier

doch weiter trag ich dich in mir

und nimm dich mit durchs Leben

Am Gitter

 

Kunstmenschen wie wir

Beim Spielende

Glattrasiert und Schön

Fluchen den harten Tag

Verbittert am Gitter

Kennend die gleiche Wahrheit

Während wir alles Richtig machen

Wählen wir die Worte

Vor dem Altar

 

Einsamer Nie

 

Wie einsam und verlassen

so einsam hängt die volle Brust

und immer einsam stirbt die Lust

einmal lieben oder hassen

 

Einsam liegt der kalte Leich

doch so einsam ist die Reise

und im Kühlhaus ist es leise

noch so jung und Fell so weich

 

Versenkt im Hause wohnt ein Genie

sucht die Unzugängliche zu finden

Einsamer will die Einsame

in Irgendwer ständig in der Ecke

 

Für die Menschen sprechen

 

Für die Menschen sprechen  -

die Stimmen der Sprachlosen

der Stummen

die wortlosen Schweiger

wie die mundlosen Gesichter

 

für die Menschen sprechen –

die bodenlos am Abgrund stehenden

der Verlierer

die nicht über Wasser gehenden

stehen bis zum Hals im Fluss

 

für die Menschen sprechen –

als Sprecher der verfolgten

der Entleibten

aus Käfigen der Schädelgebeine

denen das Wort wortlos entzogen

 

Gewalt

 

Du und ich, wir beide

haben gelernt vom Reden und Schreiben

mit unserer Sprache zu zeichnen

 

Wir beide wissen von den Ansprüchen

wenn wir den Mund öffnen

können nicht: nicht antworten

 

wenn wir mit den Worten verwunden

mit unseren Zungen züchtigen

mit der infektiösen Rolle der Sprache

 

Wir verletzen die Ansprüche des Anderen

Wenn wir den Mund auftun

und uns der Schrei des Opfers verfolgt

 

Rechtfertigen mit unserem Schreiben

und begeben uns in Komplizenschaft

Wir trennen uns von den Barbaren

 

 

 

Plastikblumen

 

Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings

erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang

Das Auge schreibt die Textanalyse

ordnet die Teile des Erbrochenen

auf der Suche nach Sprache

zu gemachten Formen

 

Der Torso ist keine Natur

der Garten ist keine Kunst

Arkantus, Bärenklau und Lotus sind Formen

ein Bild heißt unzählige Worte

 

Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings

erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang

Das Auge hat notiert; das Auge hat fotografiert

und ohne die Nuancen -

am Ende ist der Mensch

der Mensch ist; mit seiner Kunst am Ende

 

so schaffen wir die Schöpfung neu

so schaffen wir die Kunst, der Schöpfung

und ohne Schöpfer schöpfen

uns selbst am Schopf aus dieser Schöpfung

 

Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings

erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang

was welkt, was erbricht

schön und erhaben, erhaben und schön

so stehen wir hier: und staunen

 

 

Stehe nicht

 

Ich steh am Abend

und höre nicht

Ich steh in der Nacht

und sehe nicht

Ich steh am Tag

und glaube nicht

Ich stehe im Traum

und weiß

 

Lege mich hin und schlafe.

In des Augen Blick

Wirklichkeitsgleichnis

 

Bewusstlos trat ich in den großen Raum und nehme Platz

Falle in die bequemen Sitze zum Träumen

Den Traum den ich durch einen Spalt betrat

Hab ich mit Neugier und mit Münze bezahlt

Schon erscheinen an den Wänden die flackernden Bilder

Steige ich sofort ein in die bewegten Bilder

Das Auge gebiert die Bilder sofort

Geblendet von der Schönheit der Realität

 

Nicht täuschend lassen erkenne ich den Raum

Es bleiben an den Wänden die wahren Bilder

Begreife ich die Realität meines Sitzplatzes

Und lasse Bilder an mir vorüberziehen

Mit allem Wissen meiner Wirklichkeiten

Verlasse ich nun den geschlossenen Raum

Und ist eins mit den objektiven Bildern

Die mich hinaustragen in meine Eigene Welt

 

Der Natur gegenüber bleibt der Gedanke dunkel

Täuschen wir uns nicht, spätestens wenn wir erkennen

Wenn wir nur den eigenen Leib erkennen

Und für immer schweigen könnten

 

 

Alte Stunden

 

Irgendwann

Wenn wir die alten Stunden und

das hermetische Poem

durchbrochen haben

zu entfliehenden Träumen der Realitäten

finden wir keine Titel für unsere Bilder

Wenn unsere Antitexte gebären

neue Begriffskräfte

Unsere Einbildungen sichtbar zu machen

Beginnen die neuen Zeiträume

Die Alten Reime gehen vorbei

Im Geschlossenen Verborgenbleiben

auch die junge Metapher von Morgen

Irgendwann ertrinkt der Hochgefluchte Tag im Nichts

- ich liebe jeden Tag der mir verflucht-

und wenn ich schrieb wie schön doch alles

ich glaub ich müsste mich erbrechen

 

Frag mich im August

 

Frag mich im August

Sommerende, im letzten Sonnenblick.

Ich war nie fort

wie Schnee und Eis

meine Haut im Sommerwind

Groß ist der Himmel im Goldfischglas

immer neue Inseln ohne Land

Frag mich im August

Das Gute ist so winzig

nur was Schlecht ist das bleibt groß.

Jede Pore stürmt

meine Haut im Sommerwind

Frag mich im August

ich war nie fort

und war einsam und allein unter den Menschen

Noch spurt der Sommer

Alles bleibt Erinnern

Frag mich im August

Wartend, wie Wind und Wolken

meine Haut im Sommerwind

Spiel ich noch einmal mit den Schlangen

und singe den bodenlosen Ton mit allen

Welche Nachricht bringt der Dornenvogel

an diesen Sommer, Nur Erinnern.

Frag mich im August

 

 

Himmelsworte

 

Gemalte Fensterscheiben scheinen

wie Himmelsworte bei Sonnenlicht

Spiegeln Töne auf Betbänken

 

Zeilenweise abzulesen

im goldenen Kirchenschiff

im Monstranzenschein

 

Gemalte Worte eingeschlossen

in gesegneten Tabernakeln

Betgedichte hermetische

 

Wehe, wehe

eins entkommt dem Kirchenraum

zur Kirchentür hinaus

 

Wie viele Kerzen müssten wir verbrennen

um ein entflohenes

zu bekehren

 

 

 

 

Hybride

 

Die weiße Orchidee ist eine Blume

ein Stern im Wasserglas

und Feuer brennen in den Tonnen

 

Hinter den regennassen Fenstern

tropfen die Schwarzweißbilder zerstört

und Glut brodelt in den Kratern

 

Die Liebe drängt zwischen den Phrasen

wie Blüten zwischen dem Fels

wie Schafe zwischen den Fronten

 

Die weiße Orchidee ist eine Blume

ein Stern im Wasserglas

der weint, wo längst keine Träne mehr

 

 

 

 

 

 

 

Hör noch

 

Nicht abzuschalten hören eure Ohren

Noch immer – Immerzu Noch

Ohren die alle Töne finden im Schneckenreich

Auch wenn die Worte

stumm und leer und still

 

So müssen alle Ohren weiterhören

Wenn sich die Augen schon

zum Schlaf gelegt

Wenn Flurnachbarn noch Feste feiern

Auch wer nicht will der hört noch mit

 

Kalt schlägt der Ton den Hammer Amboss

Auch wer nicht hören will der muss erlöschen

Wenn wir im Parlatorium noch Worte zählen

Hermetisch schließt das Totengedicht

 

 

 

 

 

Mediterranes

 

Verwässert sind die alten Quellen

Zu viele sind den alten Text durchfahren

und tranken von dem inneren Quell

der das Geflecht von neuem speist

 

Verdunkelt ist der alte Sternenhimmel

der stets die Ausfahrt und die Ankunft hat geleitet

den wir betrachtet schlafend am Olivenbaum

den Ort an dem die Fahrten wir geträumt

 

Es ist nicht leicht auf hoher See der Spur der Schiffe folgend

die gleiche Spur die sich in Räumen eingeschrieben

die neu durchmessen belichtet und erfahren

mit unseren Augenlichtern in die Wasser eingeritzt

 

 

 

 

 

Schönste Afrika

Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt

es brennt und brennt und brennt

mein makelvoller Körper

Dein Stolz mit wehendem Gewand wie

Erhaben führst du die Krone Afrikas sonnengleich

Bleib diese Nacht und auch die Anderen

Im Dunkel meines Herzens

werde ich weinen um dich

und früh die Milch von deinen Lippen trinken

 

Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt

Es brennt und brennt und brennt

Mein unheilbares Herz in Tränentrauer

Und dein gedeckter Tisch am fetten Busen

Wann werd ich ruhen noch dort schlafen

Die Schatten die dein Land bedeckt

In deinen Schenkeln werden sie Ruhe finden

Barfuss wie sie gekommen waren

 

Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt

Es brennt und brennt und brennt

Ich höre deine Trommelschläge rufen

Es ist viel Zeit vergangen zum Lernen

Von den Palmen die du einst gepflanzt

Fallen die Worte wie reife Nüsse

Es brennt jedes Zitat und schmerzt

Es ist dein eigener Kelch

Du schaffst dir selber deine Qualen

 

Süße Honigmilch

trinken und trinken und trinken

aus deinen schwarzen Kalebassen

die süße Honigmilch Afrikas

Am Morgen wenn wir uns treffen am Brunnen

Deine schwarze Haut und meine weiße Zunge

Schicke deine Kläffer zu den Kühen

 

trinken und trinken und trinken

aus deiner jungen schwarzen Milch

der süßen Quelle die mein Gedicht

Am Abend wenn du spielst das Spiel

werde ich schreien in die Nacht

bis der Panther lauscht

Dein Lächeln mit weiten Armen stillt den Kelch

 

trinken und trinken und trinken

aus deinen schwarzen Kalebassen

den öligen Saft deiner Haut

den Saft deiner süßen Frucht

Die reif ist wie dein duftender Körper

der meine Augenlichter jeden Tag versüßt

Ich werde die Schale holen schenk deinen Körper ein

 

 

Texte wachsen

 

Ich weiß nicht ob die Texte wachsen

Ich weiß nicht ob die Blätter nachgeboren

werden, gerade aus der Pflanze wachsen

wie leer ist doch ein Blatt und aderlos

 

Im Schriftraum steht der Text. Auf einem Fensterbrett.

Und wie am Brunnen treibt der Text mir aus dem Ohr

Der Akt des Schreibens ist mir manchmal peinlich

Wenn mir so nackt und ohne Wort vor leerem Blatt

das ich so bilderlos beschreibe. Es fehlt.

 

Es reicht nicht an das heilige Wort heran

vor dem die Heiden niederknien, erstaunt.

Im Spiegel bist du mir so nah wie unberührbar

höre ich dich nicht und kann dich nicht verstehen

Nur meinen Text im Spiegelbild. Der bleibt.

Was der Toten Gedichte

 

und trete ich doch in dieses land

das so rein so rein wie klares Wasser sei

was soll ich Gedichte schreiben für die LEBENDEN

 

die lebenden haben doch ohnehin keine zeit

nur die toten sind noch an Gedichten interessiert

die toten nehmen sich noch zeit

aus dunklen Augenhöhlen entziffern sie Zeichen

und tragen ihre Schatten zur Kunst

 

und tret ich doch in dieses Land

das so rein so rein wie klares Wasser sei

tief in die dunkelsten Gräber hinab zum Feierabend

nur dort kommen die besten Gedichte zusammen

lassen wir sie laut lesen wie es unsere Väter taten

und aus den tiefen hören wir die stimmen

die unsere Gedichte rezitieren mit Fleiß

 

und tret ich doch in dieses land

das so rein so rein wie klares Wasser sei

was soll ich Gedichte schreiben für die lebenden

 

CIELO himmelsblau

 

 

Ich habe diesen Himmel mir nicht ausgesucht

den ewig hohen den unendlich blauen

Es sind schon viele aufgefahren

und kamen nicht zurück

und auch die untergingen fielen tief.

 

Wer sucht schon selbst den Himmel aus

der ständig weint und brüllt

und wenn er schlägt mit seinem Zorn

Wohin soll ich mich wenden ohne Ort?

 

 

Nur an den Straßen gibt es Halt

doch warten wir doch vergebens oft

Bewegen uns am gleichen Platz ein Leben lang.

 

Ich bin nicht unter diesem Himmel

Ich bin nicht unter diesem Blau

Ich bin ein Stern wie alle dort hochfern

 

DVORAK Messe in D

 

Vom Kyrie Eleison bis Pacem

klagen wir betrübt das Göttliche

in die blühenden Töne

 

Weiterblättern zwischen Dornen

Schöpfen den Fluss

die harten Balken zu tränken

Wie schön die alte Orgel erblüht.

 

Im Segen des Gesangs steigen die Töne

Zwischen den Zeilen

Es fließt ein Bächlein zum rasenden Strom

Lasst noch einmal klingen MOLL

 

Wenn aber die Glocken läuten

in den Himmeln des Agnus Dei

Fallen Menschen auf die Knie.

Wie Engelschweben

 

Es ist kein Ton zuviel im Raum

Klagen wir betrübt das Göttliche

in die blühenden Töne.

 

 

 

Fraglos

 

 

Fraglos – Fraglos die

stummen Zeiten still

und wortlos

keine Antwort

 

Ungefragte Fraglos -

Stille, Atemräume

Fragloshauch im

Kältenebel sichtbar

Kein Ton atmet, Atemlos

ein und aus im Stimmenhauch

nur Gurgeln, Stammeln,

Stimmlos – Stimmlos

Fraglos

 

 

 

 

Kämest du wieder

 

Kämest du wieder weiße Wolke eines Tages

die von Westen nach Osten fliegt

Kämest du wieder eines schönen Tages ohne zu wissen

im frühen September eines schönen Tages

 

Weiße Wolke kämest du wieder an diesem schönen

unendlichen Tag so weiß wie heute jetzt himmelhoch

Wie du vorbeiflogst mit Brüdern und Schwestern

Erzähle mir vom Gras von Sand vom Meer

 

Kämest du einmal zurück und erzählst eines Tages

du triffst mich hier wie immer wenn ich nach oben schaue

ziehst du vorüber im weißen Kleid deiner Unschuld

 

Ich werde Trauer tragen und Blut wenn du wiederkommst

und nie mehr gehen von diesem Platz

Mein Herz stand über dir es war die Sonne

 

Narrativ - kennt jeder

 

Narrativ

der Kulturkreis –

kennt jeder

das Allgemeine

das Erzählerische Wissen –

kennt jeder

aber

das wissenschaftliche

Wissen

das Wissenschaftliche,

beschäftigt die Mathematik

Zusammenhänge der Natur

theoretisch

sehr  theoretisch :

- kennt jeder

 

 

 

 

 

Kindergarten  1953

 

Die kleinen Klapperschlangen spielten

hinter dem Strich der Reformation

Wir aber trugen Hirschleder

ohne wenn und aber

 

alles mit Jesulein und Ave Maria

gab’s Prügel auf dem Schulhof

hinter der Linie

bis aufs Blut

 

Viel Schlimmeres

Prügelstöcke nach verlorenem Krieg

das Schlimmste -:

Kakaogeld vergessen

alles Jesulein und Ave Maria

wenn sich die Klapperschlangen drehten

gab’s Nachsitzen

Kein Vergnügen

Selbst Spielen war Ernst

 

Aber heute noch sehe ich wie

die kleinen Klapperschlangen spielten

 

Leser

 

Wir, die Lesenden, kennen die Welt

die verkehrte Welt

nur aus unseren Büchern.

Wir, lesen doch mit beiden Augen

und leben doch in anderen Welten.

Wenn ich die Türen öffne – STAUNEN

 

Wir, die Lesenden, kennen die Welt

nur von den Hörenden

erfahren sie

vergänglich und flüchtig

teilen wir uns alles mit

Was schon immer doppelt vorhanden

 

Wir, die Lesenden, kennen die Welt

Hier, nicht ohne den Unterschied

Wann und wo wir hinausgehen

von Innen nach Außen

entsteigt unser Gedicht

Dunkel dem Licht

 

 

Liebe, du weißt....

 

mein Herz fiel, noch ehe es geöffnet

brennt nun auf kaltem Marmor

der in der Röte wunder Rosen

mein Herz tötet, noch ehe es spricht.

 

mein Herz zerfloss ehe es geschöpft,

fließt nun hinauf in die Schöße

der sich ewig Liebenden

Mein Herz ertrinkt, ehe es geatmet

 

 

Wo sind die Töne die erklangen

in der Nacht, am heraufbeschwörten Tag

als wir uns liebten,

 

Wo sind die Schreie die erklangen

in der Nacht, am heraufbeschwörten Tag

als unsere Liebe entbrannte. Du weißt.

 

 

 

 

 

 

Meiner Schreibe

 

Der Himmel deckt sich über meinen weißen Schlaf

Du, schreibst in diesen Gedanken dir

Dein Wort unter unserem Himmel.

Komm, komm, hilf mir den Text verschieben

 

Der Himmel deckt sich über meinen weißen Schlaf

Dir gefällt nicht dieser Text der dich beschreibt

Du glaubst mir das er unbedeutend

und sich entfaltet so wie du am Abend

 

Ach, wenn ich tot bin werd ich Weiterschreiben

Wort für Wort und Wort

wird meine Zunge deine Reden schreiben

 

Ach wenn ich tot bin werd ich Weiterschreiben

Wort für Wort und Wort

und meine gebrochenen Augen von dir lesen.

 

 

 

 

Scheinheilig vergangen

 

Ich fühle die Worte nicht

es ist kein Gefühl für Sätze

weiche und narbte Worte

stoßen sich ab

 

Wie Wasser von herzem Stein

Wie Wasser von Blau, Genau

 

Ich fühle die Worte nicht

im immer Stromauf - Lachsgleich

 

die Worte zu Götterhöhe,

Trinke auf halbem Wege

aus dem bitteren Brunnen - scheinheilig

 

Ich fühle die Worte nicht

es ist kein Gefühl für Sätze

bei den Quellen vergangen

 

 

 

 

 

 

Schöpfungsstunde

 

 

Nun kommt die Stunde

in der die Worte aufgestiegen

heraufgeworfen

waren da,

wo vorher nichts

von ihnen war

 

Doch,

als der Dämmerzustand

endete

Da war ich leer und hungernd,

taumelnd

 

 

 

 

 

 

 

Unvergleichlich

-                    mit Roger Willemsen und

Benjamin von Stuckrad-Barre -

 

Alles unvergleichlich wie man nachsagt

aber was soll´s?

Alles unvergleichlich

Nicht mit diesem Roger Willemsen

und auch nicht mit Benjamin von Stuckrad – Barre

Kein Vergleich

alles unter den Schein

Werfern, Glücklos, trostlos, langweilig

Wir haben uns nie geliebt

Niemals

aber unser Publikum lacht

über alles über jeden über all

wie über den Clown der sich bald

den Hals bricht.

alles unvergleichlich wie man nachsagt,

aber was soll´s?

Alles über Allem wird schwer und

Alles wird schwer über uns

Nicht mit diesem Roger Willemsen

und auch nicht mit Benjamin von Stuckrad – Barre

vergleichbar

vielleicht zwischen den Zeilen

vielleicht zwischen den Worten

vielleicht auf der Mitte des Weges

alles was Menschenmöglich

von den Ursprüngen der Geschichten

bis zu deren Sterbebetten

Alles Unvergleichlich

Unvergleichlich

 

Würgen

 

Alles empirisch,

Schicht um Schicht

Millionen

fruchtbare und furchtbare Jahre

Mit dem Abgrund fängt`s an:

Tiefschlafschichten

Versunken – Hocharbeiten ins REM

Wende der Zeiten

 

Friedensfürsten bis zur Grasnabe

Von Unten.

Unerreichbar unterm Himmelsblau

 

Heilsam; den Schwarzwald sehen?

Schinderhütte

Knüppelpfade zu Einsiedeleien

Anspruch und Ungesprochen

ungelöste feuchte

Herzen

 

Aachen, Am Hof

 

EISZEIT, kalte Brüste

schwülheißer Hintern

überall Pflaster

 

Chic auf Alt

Von Römerbad bis Domkeller

Nur kein Verkehr

Fühlt ihr es auch wie wir

 

Ihr Klingeltöne

 

Ihr zerstörten Freizeitler

Ihr Schleckermäuler schokoladenhäutige

ihr Liebhaber des edlen Gerstensaftes

 

 

 

 

 

 

Du liest mein Gedicht

 

Du liest

du liest mein Gedicht

du liest noch einmal mein Gedicht

du schweigst, liest noch einmal

dein Auge tränt über deine Wangen

das Gedicht ist leicht folglich so schwer

und dir bekannt wie dir der Text

es bleibt still während du

jeden Buchstaben neu betrachtest

kein Wort zu wenig kein Wort zu viel

Mein Herz wird schwer ich gehe

und heute fast ein Jahr vergangen

Du liest

du liest mein Gedicht

du liest mein Gedicht noch immer

Ich aber seufze!

 

 

 

 

EISKALT

 

Eiskalt dieses Leben

unerkannt

bleiben Illusion und Glaube

Viele Schichten von Geschichten

zur Geschichte

Vom Ursprung zur Distanz

 

Beugen wir uns noch

an der Quelle trinkend

von Erinnerungen

Ursprünglich von tiefem Grund

Geburten folgend

ohne Eingriff, ohne Götter

Neuen Bedeutungsschichten

 

Der schöne Krug

den wir zur Quelle trugen

nur gibt Kraft weiter zu leben

 

Es ist der Quell der unter vielen

unentdeckten Schichten

unzerstörbar weiterfließt

ungetrübt noch mit sich selber spielt

Ich tauche auf aus meinen Niemandsschichten

 

Ich tauche auf aus meinen Niemandsschichten

Ich tauche auf aus Herz und Kopf

alles was mir noch fehlt

drei, zwei, eins – meins

Was ich mir nicht kaufen kann

dies bisschen Verstand

was ich mir nicht kaufen kann

dies bisschen Liebe

was ich mir nicht kaufen kann

das zwischen dir und mir

das was wir „mitmenschlich“ nennen

In meinem Elternhaus hingen keine toten Schweine

wurde auch kein Krieg gespielt

alles bürgerlich, alles spießig

Ich tauche auf aus den Niemandsschichten

Ich tauche auf aus Herz und Kopf

all diese Krankheiten auf der Haut

mit Worten zuschmieren wie mit Salben

diese syphillistischen Krankheiten

des Genius Poetica zwischen uns

immer neu infizierend

Landschaften zwischen Erzählenden und Hörer